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„Erfahrungsgemäß brauchen das die meisten
Pferde nicht“, sagt der Tierarzt Dr. Frank Wiemer
aus Welver-Merklingen. Jährlich kommen
ihm allenfalls drei oder vier Fälle mit geschwollenem
Präputium unter – meist ist die Ursache
eine andere Grunderkrankung, in höchstens einem
Fall mangelnde Hygiene.
Dr. Wiemer rät sogar von exzessivem Reinigen
ab, da diese das natürliche Hautmillieu aus dem
Gleichgewicht bringt und sich dadurch schädliche
Mikroorganismen erst recht einnisten
können. Außerdem sind die unschönen Fetzen
oft noch mit der dünnen Haut des Schlauchs
verbunden. Werden sie abgezogen, kann es zu
kleinen Verletzungen kommen. Dasselbe passiert,
wenn die Besitzerin mit langen Fingernägeln
am Schniedel herumpult. Daher sollten Sie
nicht zuviel am Schlauch manipulieren.
„An die wirklich problematischen Bereiche
kommen Sie ohnehin nicht ran“, sagt Dr. Frank
Wiemer. Obwohl der Pferde-Penis in ausgefahrenem
Zustand „nur“ 30 bis 50 cm misst, ist er
insgesamt etwa einen Meter lang. Der Großteil
des Schafts ist außerhalb des Körpers nicht zu
sehen. „Allerhöchstens in voll erigiertem Zustand
könnten Sie die Stellen sauber machen,
die in Einzelfällen zu Entzündungen führen.
Selbst wenn Sie in ausgefahrenem Zustand
sofort beherzt zugreifen, kriegen Sie vielleicht
zwei Drittel des Penis gewaschen.“
Nicht zu vernachlässigen ist allerdings die Tatsache,
dass es trotz allem immer wieder Fälle
gibt, wo besonders schlimme Verunreinigungen
Krankheiten verursacht haben. Bei Pferden tritt
wegen der faltenreichen Vorhaut das Peniskarzinom
besonders häufi g auf – es betrifft 23% aller
Krebserkrankungen dieser Tierart. Wallache,
bei denen durch fehlende Erektion das Smegma
nicht beseitigt wird, erkranken zehnmal
häufi ger an einem Peniskarzinom als Hengste.
Bei älteren Wallachen und Hengsten kommt es
durch hormonelle Umstellungen manchmal außerdem
zu Entzündungen und Schwellungen im
Schlauch. Besprechen Sie im Zweifelsfall mit Ihrem
Tierarzt, ob eine Reinigung sinnvoll ist.
Falls Sie sich dafür entscheiden, sollten Sie bedenken,
dass Smegma sehr fettig ist. Nur mit
klarem Wasser werden Sie nicht weit kommen.
Die meisten anderen Zusätze greifen wiederum
das Hautmillieu an und schaden oft mehr,
als sie nützen. Auch hier kann Ihnen Ihr Tierarzt
weiterhelfen und eine gut verträgliche Reinigungslösung
verschreiben. Funktionell ist auch
der Einsatz von Babyöl und Gleitgel. Dabei besteht
jedoch die Gefahr, Keime erst recht zu versiegeln,
was zu ziemlich heftigen Entzündungen
führen kann.
Grundvoraussetzung für die Säuberungsaktion
ist natürlich, dass das Pferd ausschachtet. Geschieht
das nicht zufällig von selbst, so müssen
Sie Stellen oder Aktivitäten fi nden, die es fördern.
Ein weicher Untergrund nach dem Reiten
bringt das Pferd evtl. zum Urinieren. Kraulen
der hinteren Rückenpartie oder der Schweifrübe
wirkt entspannend. Auch der Einsatz von warmem
Wasser kann hilfreich sein. Seltsamerweise
führt sogar das Üben von Zirkuslektionen oft
zum gewünschten Ergebnis.
Der Reinigungsvorgang selbst muss relativ
schnell gehen. Die meisten Pferde fahren ihren
Penis sofort wieder ein, wenn man ihn berührt.
Diesen Rückzieher können Sie sich aber
auch zunutze machen:
Fassen Sie den Schlauch gleich so weit oben am
Schaft an wie möglich und umfassen Sie ihn mit
der ganzen – mit Reinigungsmittel eingeseiften
– Hand. Zieht der Wallach nun sein bestes Teil
ein, so streift er überstehende Smegma-Reste
direkt an Ihrer Hand ab.
Es empfiehlt sich dringend, dabei
Gummihandschuhe zu tragen!
Ist es trotz aller Anstrengung partout nicht
möglich, den Schlauch zu waschen, und sind Sie
der Meinung, dass es unbedingt sein muss, so
fragen Sie Ihren Tierarzt, ob eine Komplettreinigung
in sediertem Zustand sinnvoll ist. Es gibt
auch die Möglichkeit, den Schniedelputz gezielt
dann vorzunehmen, wenn das Pferd ohnehin
sediert wird, etwa bei der jährlichen Zahnreinigung.
In jedem Fall gilt: Der Schlauch muss nicht porentief
rein sein. Auch der Anblick von schwarzen
Krusten stört meist mehr den Menschen als
das Pferd. Es besteht natürlich immer die Gefahr,
dass gerade Ihr Wallach zu den Ausnahmefällen
gehört, die ein Problem mit geschwollenem
Präputium und Peniskarzinom bekommen.
Aber einen Schniedel-Putzfi mmel müssen Sie
deshalb noch lange nicht entwickeln.
„Baby – ... also, nun nicht mit Seife auf der
Hand da reinfahren, sondern mit warmem
Wasser eine leicht seifige Lösung machen
und mit der ...“ (bis man am Pferd ist, wird
die dann Idealtemperatur vom um die 38-39°
haben – ganz leicht über Körpertemperatur).
Und vielleicht den leeren Eimer schon mal in
die Box stellen und die Kraulorgie starten, damit
die Neugiernasen einem das Ding dann mit
geringerer Wahrscheinlichkeit umschmeißen
und sich vielleicht schon daran gewöhnen, mit
als ungefährlich erkanntem Eimer daneben auszuschlachen
(die, die es denn tun).
Bei Wallachen die ihren Schlauch nicht reinigen
lassen, muss bei starker Verkrustungen des
Schlauches der Tierarzt hinzugezogen werden.
Dieser erreicht durch eine leichte Sedierung
(Narkose), dass der Wallach den Schlauch heraushängen
lässt und kann ihn so mit einer
milden, warmen Waschlösung abwaschen.
Manchmal klemmt sich auch beim Liegen ein
Strohhalm in die „Schlauchtasche“. Die wiederum
kann man selbst langsam und vorsichtig
herausziehen.
Meist lassen Wallache (genau wie Hengste)
bei großer Entspannung den Penis aus der
Schlauchtasche gleiten, wie z.B. beim intensiven
Striegeln & Putzen. Sollte sich in diesem
Falle nichts tun, waschen Sie seinen Bauch mit
warmem Wasser. Schachtet er dann aus, sehen
Sie von einer Reinigung des Penisses mit Seifenlauge
ab, da auch hier (genau wie bei uns)
die Hautfl ora empfi ndlich gestört werden kann.
Klares warmes Wasser ist völlig ausreichend, da
es genügt, die abgestorbenen Hautschuppen zu
beseitigen.
Jedoch wird in jedem Fall zur Konsultation eines
Tierarztes geraten, wenn die Reinigung
überhaupt nicht klappen sollte.
Quelle:
REGINA KÄSMAYR für westernreiter (EWU)
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