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Das Pferd im Straßenverkehr – Teil 2
Das Auto allein ist nicht das Schreckgespenst

 

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Das beste Straßentraining und das abgebrühteste Pferd helfen oft nichts, wenn dem Reiter unvorhergesehene Gefahren begegnen, bei denen er

sich unsicher fühlt und nicht weiß, wie er reagieren soll. Denn gerade im Straßenverkehr muss man auf mehr gefasst sein als nur auf vorbeifahrende Autos.

Autos, die Reiter und Pferd in genügendem

Abstand und kontrollierter Geschwindigkeit

überholen, stuft das Pferd in der

Regel nicht als gefährlich ein, wenn es die Fahrzeuge

kennt und keine schlechten Erfahrungen

damit gemacht hat. Kritisch kann es dagegen

werden, wenn ein Auto zu dicht an das Pferd

heranfährt, so dass es sich bedrängt fühlt. Oftmals

geschieht dies, wenn Fahrzeuge entgegenkommen

und das überholende Auto nicht auf

die Gegenfahrbahn ausweichen kann. Dann

zwängen sich viele Autofahrer zwischen dem

entgegenkommenden Gefährt und dem Pferd

hindurch. Möglich ist auch, dass in so einem

Fall der Autofahrer hinter dem Pferd scharf abbremst

und dabei sehr dicht auffährt. Zu dicht

und zu schnell vorbeifahrende Autos kommen

häufig vor, denn der Autofahrer ist normalerweise

mit dem Individuum Pferd nicht vertraut,

so dass ihm nicht klar ist, dass er mit seinem

Verhalten Reiter und Pferd in Schwierigkeiten

bringen kann.

 

Autofahrer:

Fehlverhalten durch Unwissenheit

 

Der Autofahrer weiß nicht, bis zu welchem Grad

sich ein Pferd sicher fühlt und ab wann es in

Bedrängnis gerät. Der Reiter kann von anderen

Verkehrsteilnehmern keinen Pferdeverstand voraussetzen

und muss darum immer mit einem

Fehlverhalten rechnen. Schnelles und dichtes

Vorbeifahren eines Autos kann man nur eingeschränkt

trainieren. Man muss damit rechnen,

dass das Pferd einen Sprung zur Seite – sprich

vor oder gegen das Auto – machen könnte!

Aus Sicherheitsgründen kann man das Training

nicht so gestalten, dass das Auto sehr dicht und

schnell am Pferd vorbeigesteuert wird, so wie

es wohl in der Realität vorkommen könnte. Dies

wäre viel zu gefährlich.

 

Besser ist es deshalb, wenn man auf Alternativen

ausweicht, bei denen das Pferd in sicherem

Abstand gehalten wird. Zuerst gilt bei jeglichem

Training, aber auch immer beim Reiten auf der

Straße, dass man auf großflächige Ausweichstellen

achtet. Ein breiter Wiesenstreifen neben

der Straße oder ein abgeerntetes Feld sind gute

Ausweichflächen in Notsituationen. Zäune allerdings,

die direkt neben der Straße verlaufen,

können das Pferd - wenn es sich bedrängt fühlt

– am Ausweichen hindern. Das Pferd sieht keine

Fluchtmöglichkeit und könnte in seiner Panik

dann auf die Straße springen.

Anstatt dass man beim Training nun ein Auto

zu dicht am Pferd vorbeifahren lässt, sollte der

Autofahrer lieber Abstand halten. Im Training

kann man aber den Autofahrer anweisen, mal

scharf abzubremsen oder den Motor aufheulen

zu lassen und damit angsterregende Geräusche

verursachen. Zu beachten ist beim Training

auch, dass sich das Pferd sicherer fühlt, wenn

eine vermeintliche Gefahr vorn vorne auf es zukommt.

Darum wird das Pferd jeweils zuerst von

vorne mit dem Auto (oder anderem Trainingsobjekt)

und dessen Geräuschen konfrontiert und

erst später von hinten. Der Autofahrer muss bei

all seinen Manövern immer darauf bedacht sein,

dass er dem Pferd nie zu nahe kommt, denn Risiken

sollten ausgeschlossen werden.

 

Unvorhergesehene Gefahrenquellen:

Nur indirekt trainierbar

 

Es ist zu bedenken, dass das Pferd zur Seite

springen oder auch ausschlagen kann, ebenso

gut kann es aber auch versuchen davonzulaufen.

Einem Abbremsmanöver darf ein scharfes

Anfahren folgen, vorausgesetzt, das Pferd ist

bisweilen ruhig geblieben. Schließlich kann der

Fahrer aufblenden und die Hupe betätigen. Man

kann auch noch Fahnen aus dem Autofenster

hängen, oder ein paar leere Dosen am Auto anhängen.

Oftmaliges Wiederholen des Trainings

desensibilisiert das Pferd gegenüber derartigen

Reizen und macht es im Straßenverkehr sicherer.

Damit ist es auch gegen unvorhergesehene

Gefahrenmomente, die nicht direkt trainierbar

sind, besser gewappnet.

 

Ein Pferd, das schon bei vorüberfahrenden Autos

unsicher ist, stellt eine große Gefahr für sich

selbst, seinen Reiter und für andere Verkehrsteilnehmer

dar. Ein konsequentes Training ist hier

unbedingt erforderlich. Ein autosicheres Pferd

aber kann unter „normalen“ Umständen auf

der Straße geritten werden, allerdings ist das

Auto leider noch lange nicht alles, was einem

im Verkehr begegnen kann. Größere und lautere

Ungetüme sind dabei Traktoren, Mähdrescher,

Lastwagen und Baufahrzeuge. Auch damit muss

gerechnet werden.

 

Wenn solche Fahrzeuge dann noch sehr dicht

am Pferd vorbeifahren, kann es schon sehr gefährlich

werden, wenn man sein Tier nicht gut

unter Kontrolle hat. Es gibt nur selten ein Pferd,

das ruhig bleibt, wenn ein Sattelschlepper in

geringem Abstand vorbeirauscht. Sogar selber

erschrickt man dabei oft, auch wenn das Fahrzeug

schon aus weiterer Entfernung zu sehen

war. Derartige Situationen sind in dieser Härte

kaum erfolgreich trainierbar, da das Pferd trotz

größten Vertrauens und besten Trainings immer

noch ein Fluchttier bleiben wird. Darum sind die

erwähnten Ausweichflächen wichtig, zum anderen

muss man dafür sorgen, dass das Pferd mit

einem entsprechenden Gebiss gezäumt ist, mit

dem man noch eine gute Einwirkung auf das

Pferd hat, so dass es auch in Paniksituationen

kontrollierbar bleibt. Für einen Ausritt sind deshalb

gebisslose Zäumungen nicht geeignet. Für

manches Pferd kann selbst eine Wassertrense

nicht die richtige Wahl sein. Grundsätzlich muss

das jeweilige Pferd mit dem gewählten Gebiss

für den Reiter in jeder Situation kontrollierbar

bleiben.

 

Artgenossen schaffen Sicherheit

 

Die meisten Pferde sind innerhalb einer Gruppe

viel ruhiger, so dass man zehn Pferde zusammen

oft ohne Probleme durch das Zentrum einer

Großstadt reiten kann, während es mit einem

einzelnen Pferd dagegen große Probleme geben

könnte. Darum empfiehlt es sich, die Ausritte

immer darauf abzustimmen, wohin man reiten

will und ob man dann alleine oder besser in der

Gruppe reitet. Allerdings muss man auch bedenken,

dass eine durchgehende Pferdegruppe

schwieriger wieder zu stoppen ist als ein einzelnes

Pferd.

 

Kein Autofahrer kann wissen, welchem Pferd er

begegnet: Ist es ein sicheres, erfahrenes Pferd

oder ein junges, nervöses? Der vernünftige Autofahrer

wird darum immer in entsprechend

großem Abstand und in kontrollierter Geschwindigkeit

das Reiter-Pferd-Paar passieren. Doch

leider muss man mit vielen rücksichtslosen und

unwissenden Verkehrsteilnehmern rechnen. Es

hilft manchmal, den Arm auszustrecken, wenn

man bemerkt, dass ein Auto sehr schnell heranfährt,

und dem Autofahrer mit Auf- und Niederbewegungen

der Hand deutlich macht, dass

er seine Geschwindigkeit drosseln soll. Gerade

wenn man mit einem jungen Pferd unterwegs

ist oder wenn das Reittier nervös geworden ist,

sollte man sich über Zeichen mit den Autofahrern

verständigen und ihnen signalisieren, dass

man mehr Abstand oder ein reduziertes Tempo

wünscht. Natürlich muss man aber auch dann

damit rechnen, dass viele Autofahrer dieser Aufforderung

keine Beachtung schenken.

 

Es kann durchaus auch vorkommen, dass sich

Auto- oder Motorradfahrer einen regelrechten

Spaß daraus machen, Pferde zu erschrecken.

Oftmals wird dann fleißig gehupt, während

diese unvernünftigen, aber leider nicht ausrottbaren

Verkehrsteilnehmer, sehr dicht und in

hoher Geschwindigkeit vorbeifahren. Manche

Reiter haben dabei schon regelrechte Verfolgungsjagden

über sich ergehen lassen müssen.

Da ist man sogar auf Feldwegen nicht gefeit,

denn auch hier kann man Motorrad- und Traktorfahrern

begegnen. Nicht zuletzt haben einige

Reiter auch schon schlechte Erfahrungen mit

Hubschraubern, Heißluftballons oder Flugzeugen

machen müssen. Sieht man eine derartige

Gefahr auf sich zukommen, ist man bestens

beraten, langsam, aber konsequent den Rückzug

anzutreten. Den Helden zu spielen hat hier

niemals Sinn, weil das Pferd dabei sehr schnell

traumatisiert werden kann.

 

Mehr als nur Fahrzeuge

 

Mit dem Überqueren oder Entlangreiten von

stark befahrenen Straßen mit all seinen Gefahren

ist es für den Freizeitreiter aber noch lange

nicht getan. Beim Durchreiten von Siedlungen

können einem mehr als „nur“ allerlei Fahrzeuge

begegnen. Lärmende Kinder, die mit ihren Fahrrädern

durch die Seitenstraßen flitzen, dabei oft

scharf bremsen und durch unvermutete Fahrmanöver

das Pferd schnell verunsichern können.

 

An der nächsten Ecke kommt der Wachhund

bellend gegen den Zaun gesprungen: Welches

Pferd kann dabei nicht erschrecken? Mögliche

Schreckgespenste sind auch ratternde Rasenmäher,

ballspielende Kinder, grellblaue Swimmingpools,

Rollläden, die gerade hochgezogen

werden oder Spaziergänger mit Regenschirmen.

Auf all diese Gefahren muss man als Reiter gefasst

sein und korrekt reagieren. Wenn sich ein

Pferd verspannt und ängstlich wird, sollte man

stets versuchen, an der gefährlichen Stelle möglichst

ruhig im Schritt vorbeizureiten und nicht

stehen zu bleiben. Der Reiter muss dem Pferd

zu vermitteln versuchen, dass die Situation,

die dem Pferd Angst einflößt, völlig belanglos

ist. Der Reiter sollte sich also gleichgültig zeigen

und die Gefahrenquelle ignorieren. So wird

sich auch das Pferd nicht übertrieben darüber

aufregen. Bald wird auch dem Pferd der knatternde

Rasenmäher oder die lärmenden Kinder

gleichgültig sein. Auf der Straße muss man immer

mit unvorhergesehenen Gefahrenmomenten

rechnen, also gilt es, ständig auf der Hut

zu sein, Augen und Ohren offenzuhalten und

vorausschauend zu reiten, um herannahende

Gefahren frühzeitig erkennen zu können. Zudem

sollte man die Zügel stets aufnahmebereit

in der Hand halten. Ein gut vorbereitetes Pferd,

wozu auch das Desensibilisierungstraining auf

dem Reitplatz gehört, und ein auf Sicherheit

bewusster Reiter wird nur selten in gefährliche

Situationen geraten.


Quelle:
Renate Ettl für westernreiter (EWU)


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Quelle

westernreiter

 

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