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Mit dem Verladen und Transportieren von Pferden gibt es nicht selten
Probleme. Aus verschiedenen Gründen sind die Pferde oftmals mit den
Auswirkungen und Anforderungen des Hängerfahrens überfordert.
Doch selbst „alte Hasen“ stehen beim Transport unter großem Stress,
was Pferdebesitzer gerade auf einer längeren Fahrt in den Urlaub nicht
ungeachtet lassen dürfen.
Allein in Deutschland werden laut Statistik
im Jahr mehr als eine halbe Million
Pferdetransporte durchgeführt. Dabei
handelt es sich überwiegend um Sportpferdetransporte,
also Pferde, die zu Turnieren und
Rennen oder anderen Veranstaltungen gefahren
werden. Von Sportpferden werden am Zielort in
der Regel Höchstleistungen erwartet. Nur allzu
oft aber ist es den Tieren nicht möglich, ihre
Leistungsgrenze zu erreichen und die Erwartungen
der Besitzer zu erfüllen. Dies ist in vielen
Faktoren begründet, denn die fremde Umgebung,
Menschenansammlungen, laute Musik
und extrem viele neue Eindrücke rund um solchen
Veranstaltungen stressen das Pferd und
belasten den Organismus. Doch auch der Transport
selbst bedeutet für das Tier großen Stress,
der selbst durch Gewöhnung nicht vollständig
ausgeschaltet werden kann. Dieser Aspekt wird
oftmals nicht beachtet. Besonders lange Hängerfahrten,
wie sie auch auf dem Weg in den
Urlaub oft durchgeführt werden, steigern die
Belastungen enorm.
Eine fundierte Vorbereitung des Pferdes auf den
Transport ist unerlässlich, aber auch die Ausstattung
des Transporters sowie die Fahrweise
und Länge der Fahrt sind wichtige Faktoren, um
den Transportstress einzuschränken.
Verladetraining
Etwa 25 bis 30 Prozent der Pferde werden nicht
als verladefromm bezeichnet. Eine erschreckende
Zahl, wenn man bedenkt, dass diese Pferde
meistens tatsächlich panische Angst ausstehen,
wenn ein Transport bevorsteht.
Die Gruppe der nicht verladefrommen
Pferde kann man grob in zwei Kategorien
einteilen: Die einen haben Angst, die anderen
hingegen sind aus verschiedenen Gründen unwillig.
Beide Pferdetypen sind oftmals nur unter
großem Druck oder Zwangsmitteln zu verladen.
Viele Pferdebesitzer haben das Problem, dass
sie nicht wissen, in welche Kategorie ihr Pferd
einzustufen ist, zumal es auch „Mischformen“
gibt. Das macht eine Korrektur beziehungsweise
eine gute Verladeausbildung schwierig.
Bei unwilligen Pferden spielen häufi g die nicht
unerheblichen Stressfaktoren eine große Rolle,
den Transporter nicht zu besteigen. Somit sollte
man darauf achten, den Stresspegel möglichst
gering zu halten und das Pferd beispielsweise
mit kurzen Fahrtstrecken langsam an das Transportieren
zu gewöhnen. Bei ängstlichen Pferden
muss man viel Geduld aufbringen, da die
Stressfaktoren nicht beseitigt werden können.
Darum dauert es länger, bis das Pferd Vertrauen
fassen kann.
Für die Verladeschulung genügt es nicht, das
Pferd auf den Hänger zu führen und dort zu
füttern. Vielmehr muss es Vertrauen in die Situation
fassen, auf einem sich fortbewegenden
Hänger zu stehen. Kurze Fahrstrecken sind die
beste Gelegenheit, ein Pferd an das Fahren zu
gewöhnen, bis man eine längere Urlaubsstrecke
plant.
Um dem Pferd Vertrauen geben zu können, ist
die Ausstattung des Hängers nicht unbedeutend.
Ein großer Transporter mit hellem Innenraum
ist eine gute Basis. Bei Pferdeanhängern
neueren Herstellungsdatums sind diese Aspekte
berücksichtigt. Ebenso sollte man nur Anhänger
benutzen, die bereits mit den entsprechenden
Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet sind.
Hierzu gehören technische Details wie von
außen abschraubbare Bruststangen oder ein
rutschfester Bodenbelag. Gepolsterte Seitenwände
sind ebenfalls empfehlenswerte Zusatzausstattungen,
die dem Pferd das Fahren angenehmer
machen.
Aber auch die Ausstattung des Pferdes sollte
sowohl auf kurzen als auch auf langen Fahrten
entsprechend gewählt werden. Transportgamaschen
sind aus Sicherheitsgründen Pfl icht.
Für einen noch besseren Schutz sollt man sich
vorzugsweise für Gamaschen entscheiden, die
über die Sprunggelenke reichen. Zudem darf
das Pferd eine leichte Abschwitzdecke tragen,
da es während der Fahrt im Anhänger zu unangenehmen
Luftverwirbelungen kommt, die
Muskelverspannungen und gegebenenfalls Erkältungskrankheiten
fördern können.
Nur verladegeschulte Pferde und geeignete
technische Voraussetzungen des Transporters
können die Stressindikatoren auf niedrigem Level
halten. Doch selbst „coole“, an den Transport
gewöhnte und somit relaxte Pferde stehen
beim Hängerfahren unter Stress. Es gibt Studien
über die Auswirkungen des Transportes auf Pferde,
die allerdings nur beschränkt durchgeführt
wurden. Dr. Arno Lindner hat einige Ergebnisse
zusammengefasst.
Da bei den Untersuchungen verschiedene Faktoren
eine Rolle spielen und jeweils mehrere
davon verändert worden sind, konnte zwar
eindeutig festgestellt werden, dass der Transport
bei Pferden Stress verursacht, nicht jedoch,
welche Kriterien konkret für die beobachteten
Auswirkungen in Betracht kommen. Eine Auswirkung
konnte also nicht eindeutig einer bestimmten
Ursache zugeordnet werden.
Lieber entgegen der Fahrtrichtung
Dennoch lassen sich folgende Aspekte feststellen:
Hatten die Pferde freie Standortwahl, bevorzugten
sie während der Fahrt eine Stellung
entgegen der Fahrtrichtung. Dies spricht also
gegen die übliche Verlademethode, die Tiere
in Fahrtrichtung reisen zu lassen. Andere Beobachtungen
gehen dahin, dass Pferde sich am
liebsten schräg zur Fahrtrichtung stellen. Dies
hat wohl den Grund, dass sie sich in Kurven, bei
Brems- und Anfahrtsmanövern besser ausbalancieren
können. Der Standort in oder entgegen
der Fahrtrichtung hatte aber keine Auswirkungen
auf Herz- oder Atemfrequenz der Tiere.
Grundsätzlich aber steigen Herz- und Atemfrequenz
während des Transportes deutlich an. In
der Literatur wird ein Anstieg von 27 bis 100
Prozent angegeben, in erster Linie steigt die
Frequenz kurz nach Beginn der Fahrt deutlich
an und kann während der Fahrt wieder leicht
absinken, jedoch in keinem der Fälle auf den
Normalzustand zurück.
Während des Transports
wurden auch verstärkt Schmerz- und Angstäußerungen
beobachtet, insbesondere durch Umsehen,
Schwitzen, Zittern, Harn- und Kotabsatz
und so weiter. Sogar bei verladegewohnten
Pferden fi ndet im Transporter der Kotabsatz
nahezu obligatorisch statt – jedenfalls ein deutliches
Anzeichen von leichter Nervosität und
Stress. Eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit während
des Transportes gilt ebenfalls als erwiesen
(Ausbruch von Krankheiten durch Stressfaktoren).
Dr. Arno Lindner hat zusammen mit dem amerikanischen
Tierarzt Michael Foss den Einfl uss
des Transportes auf das Körpergewicht der
Pferde und die biochemischen Blutvariablen untersucht.
Als Ergebnis stellte man fest, dass die
Pferde umso mehr Körpergewicht verloren, je
länger sie unterwegs waren. Für diesen Versuch
transportierte der Tierarzt Michael Foss mehrere
Pferde über 240 km auf zweieinhalb Stunden,
480 km auf fünf Stunden und über 720 km bei
einer Fahrtdauer von siebeneinhalb Stunden.
Die Tiere verloren bei der längsten Fahrtstrecke
bis zu drei Prozent ihres Körpergewichts (oder
16 kg). Allerdings stellten die Tester auch fest,
dass die Pferde über siebeneinhalb Stunden
Transport etwa ebensoviel Gewicht verloren
haben, als wenn die Tiere über den gleichen
Zeitraum (ohne Wasser und Futter) im Auslauf
gestanden hätten.
Besonders interessant ist jedoch das Ergebnis,
dass der Gewichtsverlust trotz freiem Zugang
zu Wasser und Futter am nächsten Morgen
nach dem Transport noch nicht ausgeglichen
war! Eine Gewichtseinbuße von eineinhalb Prozent
noch einen Tag nach dem Transport setzt
die Leistungsfähigkeit eindeutig herab. Umso
wichtiger erscheint deshalb die Forderung, dass
Pferde stets gut mit Wasser und Futter während
des Transports versorgt werden sollten – insbesondere
natürlich auf langen Fahrten wie in den
Urlaub oder auf weit entfernte Turniere.
B> Deutlich erhöhte
Muskelenzymwerte
Foss und Lindner untersuchten auch die Aktivität
des Muskelenzyms Creatin-Phosphorkinase.
Lindner beschreibt eine deutliche Zunahme des
Enzyms bei sechs transportierten Testpferden.
Die Werte erlangten sogar höhere Werte als
nach – so wörtlich – „üblichen Wettkampfbelastungen“.
Daraus lässt sich ableiten, dass die
Muskulatur des Pferdes während des Transports
stark beansprucht wird. Dies wird verständlich,
wenn man sich vor Augen führt, dass das Pferd
bei Fahrmanövern wie Bremsen, Anfahren oder
in Kurvenlage ständig sein Gleichgewicht über
Muskelarbeit regulieren muss. Dass diese Muskelarbeit
so umfassend ist, hängt vermutlich
auch damit zusammen, dass Pferde keine Kurven,
Brems- oder Anfahrmanöver voraussehen
und lediglich auf deren Auswirkungen reagieren
können. Auch der relativ hoch liegende Körperschwerpunkt
des Pferdes mag hier eine Rolle
spielen.
Nach Betrachtung all dieser Dinge mag es
vielleicht sogar verwundern, dass viele Pferde
dennoch ohne Gegenwehr in einen Transporter
steigen. Zumindest darf man es nicht als Selbstverständlichkeit
betrachten, wenn sich Pferde
furchtlos und ohne zu Zögern verladen lassen,
denn jeder Transport bedeutet Stress und Leistung
für das Pferd. Nur eine beste Versorgung
des Tieres, ideale Transportvoraussetzungen und
rücksichtsvolle Fahrweise können die Stressindikatoren
verringern.
Ganz abschalten lassen
sich Stressfaktoren sicherlich nie, zumal nicht
geklärt ist, welche genauen Kriterien bei einer
Fahrt mit dem Transporter für die Stressfaktoren
verantwortlich sind. Sicherlich spielen hier stets
mehrere Faktoren eine Rolle.
Da das Hängerfahren für die Pferde eine große
Belastung darstellt, sollte man als verantwortungsbewusster
Pferdebesitzer darauf eingehen.
Dabei gilt es, zu überlegen, ob ein Transport nötig
und sinnvoll ist. Somit stellt sich auch die
Frage, ob das Pferd wirklich mit in den Urlaub
soll oder ob es sich nicht zu Hause besser erholt.
Wenn ein Transport notwendig ist oder das
Pferd dennoch mit in den Urlaub soll, ist eine
gute Vorbereitung wichtig, um den Stresspegel
zu minimieren.
Dies geschieht in erster Linie durch eine fundierte
Verladeschulung, beste Transportbedingungen
durch technisch gut ausgestattete Transporter.
Natürlich kann der Stress auch durch eine
angepasste Fahrweise minimiert werden. Dazu
gehören auch viele Pausen auf der Fahrt.
Gerade auf Urlaubsfahrt sollte Zeitdruck
ein Fremdwort sein, damit auch das Pferd
trotz Transportstress Erholung erfahren
kann.
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