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Die Weltgesundheitsorganisation hat den Begriff „Gesundheit“ versucht
zu defi nieren. Danach ist die Gesundheit „ein Zustand vollkommenen
körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefi ndens und nicht die bloße
Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen“. Diese Defi nition kann man
getrost auch auf Pferde übertragen, wobei hier noch deutlicher wird, wie
wichtig auch die psychische Komponente bei der Gesunderhaltung des
Pferdes ist.
Eine Herdenzusammenstellung, in der ein
Pferd sich nicht wohl fühlt, weil es von
den Artgenossen ständig vertrieben wird,
kann demzufolge schon als „krankhafter“ Zustand
bezeichnet werden, denn das soziale und
geistige Wohlbefinden ist in diesem Fall nicht
gewährleistet. Auch ständige Boxenhaltung,
in der sich Pferde langweilen, zu wenig Bewegung
haben und kaum Kontakt zu Artgenossen
pflegen können, kann als krankhafter Zustand
bezeichnet werden.
So hat also nicht nur das körperliche Befinden
Einfluss auf die Gesundheit des Pferdes, sondern
auch das psychische. Ein bloßes „Unwohlsein“
kann sich allerdings sehr schnell in körperliche
Krankheitssymptome manifestieren. Für die Beurteilung
der Gesundheit des Pferdes ist es darum
notwendig, neben den sicht- und messbaren
Faktoren auch die Haltungs-, Fütterungs- und
Umweltbedingungen mit einzubeziehen.
- Gesundheits-Check
Kann man frühzeitig Unstimmigkeiten des Gesundheitszustandes
des Pferdes erkennen, ist
dies die beste Vorbeugung gegen Erkrankungen.
Frühzeitiges Eingreifen, das im besten Fall
das Beseitigen der Ursache darstellt, aber auch
therapeutische Ansätze mit einbezieht, kann
Schlimmeres verhindern.
Krankheiten und Verletzungen, die zu spät
erkannt werden oder aus Ignoranz, Faulheit
oder Unwissen nicht oder nicht richtig behandelt
werden, können schwerwiegende Folgen
haben. Zum einen ist der Übergang in einen
chronischen Prozess möglich, der – wenn überhaupt
– sehr schwierig zu heilen ist. Eine noch
schlimmere Folge kann sogar den Tod des Pferdes
nach sich ziehen, wenn beispielsweise Bakterien
nicht mehr in den Griff zu kriegen sind.
Andere fortgeschrittene Erkrankungen können
den Organismus auf Dauer so stark schädigen,
dass das Pferd unzumutbare Schmerzen erleiden
müsste, dass eine Euthanasie erwägt werden
muss.
Um diese Folgen von vorne herein auszuschalten
oder zumindest auf ein Minimum herabzusetzen,
sind ein umsichtiger Umgang mit dem
Pferd und eine genaue Beobachtung wichtig.
Hierzu gehört auch ein regelmäßiger Gesundheits-
Check, bei dem die Vitalfunktionen des
Pferdes routinemäßig überprüft werden. Dabei
ist es wichtig, die Normwerte zu kennen und
deren Abweichungen einschätzen zu können.
Nicht zuletzt ist das „typische“ Verhalten des
einzelnen Pferdes beziehungsweise das für dieses
Pferd „normale“ Abweichen von der Norm
ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung der
Ergebnisse.
Jeder Pferdebesitzer kann das Fressverhalten,
den Kot- und Harnabsatz, die Augen, das Ohrenspiel
und das Verhalten im Allgemeinen beobachten.
Wichtig sind auch Körperhaltungen
(lässt das Pferd den Kopf hängen oder stellt es
ein Bein nach vorne heraus etc.?), die schon
viel Aufschluss über das Befinden des Pferdes
geben.
- PAT-Werte
Bei einem Verdacht auf Unwohlsein des Pferdes
sollte man immer die PAT-Werte (Puls / Atmung
/ Temperatur) messen. Diese geben einen ersten
Aufschluss über mögliche Krankheiten.
Die Normwerte von Puls, Atmung und Temperatur
beim erwachsenen Pferd sind (Fohlen haben
etwas höhere Werte):
- Puls: 28 - 40 Schläge pro Minute
- Atmung: 8 - 16 Atemzüge pro Minute
- Temperatur: 37,5 - 38,2° Celsius
Der Puls kann an verschiedenen Körperstellen
des Pferdes gemessen werden: An der Ganaschenunterseite,
an der Unterseite der Schweifrübe
oder am Fesselkopf. Üblicherweise misst
man an der Ganaschenunterseite, da der Puls
hier meistens am besten fühlbar ist. Sollte man
Schwierigkeiten haben, den Puls zu erfühlen,
kann man auf die anderen Messstellen ausweichen
und testen, ob der Puls hier besser fühlbar
ist. Man misst in der Regel 15 Sekunden lang
und multipliziert den Wert mit 4, um den Minutenwert
zu erhalten.
Für die Ermittlung der Atemwerte beobachtet
man die Flankenbewegung und die fühlt mit
der Hand die Luftzüge an den Nüstern, während
das Pferd ein- und ausatmet. Die Messung
erfolgt 30 Sekunden lang. Die Zahl verdoppelt
man schließlich für den Minutenwert.
Die Temperatur ermittelt man mit Hilfe eines
handelsüblichen Fieberthermometers, das in
den Mastdarm eingeschoben und etwas seitlich
gegen die Darmwand gedrückt wird. Das Thermometer
wird mit der Hand festgehalten, bis
die Messung abgeschlossen ist (digitale Thermometer
zeigen dies durch einen Piepston an).
Sollte das Pferd unruhig werden, kann man das
Thermometer herausziehen und die Messung
nochmals von vorne beginnen. Wichtig ist, dass
man sich nicht direkt hinter das Pferd stellt,
sondern sicherheitshalber etwas seitlich.
Bei großen Anstrengungen kann die Körpertemperatur
auf bis zu 40,5 Grad ansteigen. Für den
normalen Ruhewert eines Pferdes sollte man einige
Tage in Folge jeweils morgens vor der Fütterung
die Temperatur messen. Damit kann man
die speziell für dieses Pferd normale Temperatur
ermitteln. Manche Pferde liegen im unteren Bereich
der Normwerte. Steigt bei diesen Pferden
die Temperatur auf 38,1 Grad an, ist dies für dieses
Pferd nicht mehr normal, obwohl der Wert
noch im allgemeingültigen Normbereich liegt.
Grundsätzlich sollte man bei mehr als 0,5 Grad
Abweichung von der für dieses Pferd typischen
Temperatur skeptisch werden und schon jetzt
gegebenenfalls den Tierarzt zu Rate ziehen.
Ein erster Check, ob ein Pferd Fieber haben
könnte, kann man durchführen, indem man
das Pferd an den Ohrspitzen anfasst. Sind diese
heiß, könnte das Pferd Fieber haben. Sind die
Ohrspitzen jedoch kalt, liegt meist keine Temperaturerhöhung
vor.
- Gewicht ermitteln
Nicht jeder Pferdebesitzer hat eine Pferdewaage
zur Verfügung und nur selten hat man die
Gelegenheit, sein Pferd auf eine Waage stellen
zu können. Deshalb kann man zur Gewichtsermittlung
eine Formel anwenden, die bei sorgfältiger
Messung nur eine Abweichung von etwa
fünf Prozent vom Wiegegewicht ergibt. Auf
diese Weise hat man einen guten Anhaltspunkt
für das reelle Gewicht des Pferdes. Dies ist beispielsweise
wichtig, um die richtige Medikamentendosis
zu verabreichen, wie beispielsweise
die Wurmkur. Häufig wird das Gewicht des
Pferdes stark unterschätzt, so dass zu wenig
Wurmpaste gegeben wird, was zu Wurm-Resistenzen
führt.
Das Ergebnis ergibt den Wert in Kilogramm.
(Erklärung: BU = Brustumfang, KL = Körperlänge)
Der Brustumfang (BU) wird an der Stelle gemessen,
an der normalerweise der Longiergurt
zu liegen kommt. Man misst die Zentimeter
und zwar während der Ausatmung und multipliziert
den Wert mit sich selbst. Anschließend
misst man die Körperlänge (KL) vom Buggelenk
bis zum Sitzbeinhöcker. Hierzu verwendet man
am besten ein Textilmaßband, da Rundungen
gemessen werden müssen. Ein Meterstab ist für
diesen Zweck nicht geeignet. Notfalls kann man
sich mit einer Longe behelfen, bei der man die
gemessene Länge markiert und anschließend
am Meterstab ablängt und das Maß ermittelt.
Auch ohne Messungen kann man mit einigen
Anhaltspunkten ermitteln, ob ein Pferd zu dick
ist. Wenn man mit leichtem Druck über die
Rippen des Pferdes entlangstreicht, sollte man
die Rippen erfühlen können. Ist dies nicht mehr
möglich, hat das Pferd zu viel Fett auf den Rippen.
Sind die Rippen hingegen gut sichtbar, ist
das Pferd zu mager. Bei einem gut trainierten
Pferd dürfen die letzten Rippen leicht sichtbar
sein. Fettansätze am Mähnenkamm, am Ansatz
der Schweifrübe und an der Schulter zeugen
ebenfalls von beginnendem Übergewicht.
-Hautfaltentest und Kapillartest
Der Hautfaltentest gibt einen ersten Aufschluss
über den Flüssigkeitshaushalt des Pferdes.
Kranke oder überhitzte und überforderte Pferde
können dehydriert sein. Für den Test nimmt
man eine Hautfalte am Hals oder an der Schulter
zwischen die Finger und zieht sie sanft etwas
vom Pferdekörper weg. Anschließend lässt
man wieder los, wobei sich die Haut gleich
wieder glättet. Bleibt die Hautfalte länger als
zwei Sekunden stehen, besteht der Verdacht
auf eine leichte Dehydration, wobei die Austrocknungsrate
bei etwa drei Prozent liegt. Eine
ausgeprägte Dehydration (etwa zehn Prozent
Austrocknungsrate) zeigt sich, wenn die Haut
länger als fünf Sekunden benötigt, um sich wieder
zu glätten. In diesem Fall ist sofort der Tierarzt
hinzuzuziehen.
Ein dehydriertes Pferd zeigt auch einen trockeneren
Kot und dunkleren Harn. Darum sollte
man auch diese Komponenten überprüfen.
Schließlich sollte man bei einem Dehydrationsverdacht
auch noch die Kapillarfüllungszeit
überprüfen. Dieser gibt Aufschluss über die
Kreislaufsituation des Pferdes. Hierzu drückt
man mit dem Finger auf das Zahnfleisch des
Pferdes am Oberkiefer direkt über den Zähnen.
Die Haut wird dadurch blass. Nimmt man den
Druck weg sollte die Schleimhaut innerhalb von
zwei Sekunden wieder rosa gefärbt sein, weil
das Blut wieder zurückströmt. Verzögert sich
der Blutrückfluss um mehr als zwei Sekunden,
deutet dies auf einen abnormen Blutdruck hin
(zum Beispiel bei Schockzuständen) oder eine
Dehydration. Man sollte in diesem Fall sofort
den Tierarzt zu Rate ziehen.
Selbstverständlich erkennt man einen krankhaften
Zustand zunächst einmal durch fehlende
oder unzureichende Futteraufnahme, apathisches
Verhalten oder Unruhe, Interessenlosigkeit
und allgemein untypisches Verhalten. Dies sind
Anzeichen dafür, die PAT-Werte zu ermitteln, die
weiteren Aufschluss über das Wohlbefinden des
Pferdes bringen. Ist man sich unsicher, ob ein
Pferd gesundheitliche Probleme hat, schadet
es aber auch nicht, den Tierarzt hinzuzuziehen,
denn lieber kommt dieser einmal zu oft als einmal
zu spät.
Die Formel (nach FRAPE 1986) für die
Gewichtsermittlung lautet:
BU x BU x KL /
11877
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