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Der technische Fortschritt ist auch im Pferdestall
nicht aufzuhalten. Einen großen Boom erleben
derzeit jegliche Arten von Fütterungsautomaten
für Pferde. Sie sollen zum einen die Stallarbeit
erleichtern, zum anderen eine möglichst naturnahe
Versorgung der Pferde gewährleisten.
Die Pferdehaltung ist sehr arbeitsintensiv
und verschlingt darum viel Zeit, die
so mancher Pferdebesitzer lieber für
das Reiten aufwenden möchte.
Wenn die Versorgungsarbeit den Betreibern
eines Pensionsstalls übertragen wird, ist diese
Dienstleistung in der Regel auch zu bezahlen,
was bei einem relativ hohen Arbeitsaufwand
teuer ist. Ein kluges Stallmanagement kann
zwar viele Arbeitsgänge rationeller gestalten,
doch wenn die Pferde möglichst artgerecht gehalten
werden sollen, können diverse Arbeitsschritte
nicht eingespart werden.
Moderne Technik ersetzt Personal
Wo immer es möglich ist, ersetzt man das Personal
durch Technik, weil Arbeitskräfte langfristig
mehr Kosten verursachen als Maschinen.
Technische Geräte können in der Regel auch exakter
arbeiten als Menschen und machen weniger
Fehler. Ein Futterautomat für Pferde scheint
darum eine ideale Erfi ndung zu sein, und wird
vermutlich bald zur Standardausstattung eines
jeden Stalls gehören.
Doch die Theorie ist einfacher als die praktische
Umsetzung. Neben der Arbeitserleichterung, die
Fütterungsautomaten dem Menschen bringen
sollen, sollen sie auch dem Pferd zum Vorteil
gereichen.
Das Pferd hat einen relativ kleinen Magen, der
zehn bis 15 Liter fasst. Die gesamte Physiologie
und die natürlichen Lebensbedingungen verlangen
eine häufi ge – nahezu dauerhafte – Nahrungsaufnahme.
Einerseits kann der kleine Magen des Pferdes
nur geringe Mengen an Futter aufnehmen. Insgesamt
benötigt das Pferd andererseits aber
relativ große Futtermengen, um seinen Erhaltungsbedarf
zu decken. Aus diesem Grund ist
das Pferd gezwungen, bis zu 16 Stunden am
Tag zu fressen.
Die Futtermittelindustrie hat es geschafft, Pferdefutter
herzustellen, das in kurzer Zeit gefressen
werden kann, dem Pferd aber große Energiemengen
zur Verfügung stellt. Sogenannte
Kraftfutter benötigt das Pferd, wenn es größere
sportliche Leistungen erbringen muss. In früheren
Zeiten wurde das Pferd als Arbeitstier eingesetzt
und war den ganzen Tag über auf dem
Feld im Einsatz. Heutzutage werden manche
Pferde für den Turniersport trainiert, normalerweise
aber nicht länger als ein bis zwei Stunden
am Tag. Die restliche Zeit verbringen viele Pferde
in Boxen oder Offenställen, in denen entweder
keine Bewegung möglich oder kein Anreiz
zum Laufen vorhanden ist. Dennoch wird diesen
Pferden Kraftfutter verabreicht – meistens auch
noch zu viel des Guten. Die häufi gen Folgen
sind Verfettung und Stoffwechselerkrankungen.
Nicht selten leiden Pferde, die mit großen Mengen
Kraftfutter gefüttert werden, auch unter
Magenproblemen und häufi gen Koliken.
Geniale Idee: Automatische
Heufütterung
Um diesem Problem beizukommen, hat man
schon vor längerer Zeit Automaten erfunden,
die den Pferden das Kraftfutter in kleinen Mengen
zuteilt, bei möglichst häufi gen Futtergaben
am Tag. Auf dem Speiseplan des Pferdes sollte
aber für eine naturnahe Fütterung als Hauptanteil
stets Raufutter stehen. Über 90 Prozent der
Reitpferde sind im freizeitmäßigen Gebrauch
eingesetzt, was eine moderate Leistungsanforderung
bedeutet, die Kraftfuttergaben überfl üssig
machen. Wenn aber dennoch Kraftfutter verabreicht
wird, sind die Portionen grundsätzlich
sehr gering zu halten, so dass eine zweimalige
Aufteilung am Tag vollkommen ausreichend ist.
Auch diese Situation haben fi ndige Menschen
erkannt und nun gibt es auch verschiedene
Raufutterautomaten auf dem Markt. Mit dieser
Technik kann dem Pferd mehrmals am Tag Raufutter
vorgelegt werden, so dass es über den
Tag verteilt immer wieder kleine Portionen zum
Fressen bekommt.
Die Idee ist genial, zumal dem natürlichen Futteranspruch
des Pferdes Rechnung getragen
werden kann, die Langeweile reduziert und der
Arbeitsaufwand verringert wird. Das Futter wird
bei Automatenfütterung gleichzeitig vorgelegt,
so dass es keinen Futterneid unter den Pferden
gibt. Die Aufteilung der Tagesration auf mehrere
kleine Portionen führt zu einer besseren Futterverwertung,
so dass sogar bis zu zehn Prozent
Futter eingespart werden kann.
Anbieter von Futterautomaten werben sogar
damit, dass man am Wochenende nun getrost
ausschlafen kann, weil der Automat die Fütterung
der Pferde übernimmt. Später nach Hause
zu kommen ist ebenfalls kein Problem mehr
– die Futterzeit wird durch den Automaten dennoch
eingehalten.
Raufutterautomaten scheinen die ideale Lösung
für viele Pferdebesitzer zu sein. Aber natürlich
gibt es auch einen oder mehrere Haken dabei.
Die Kehrseite der Medaille darf nicht vergessen
werden. Die Automatisierung der Fütterung
verleitet dazu, die Überwachung der Pferde zu
vernachlässigen. Je nach Modell eines Futterautomaten
kann dieser so programmiert werden,
dass die Pferde zwei oder mehrere Tage mit
Futter versorgt sind. Damit kann der Pferdebesitzer
getrost übers Wochenende wegfahren
und die Pferde sich selbst überlassen. In abgeschwächter
Form genügt es, nur noch einmal
täglich nach den Pferden zu sehen. Doch kann
es passieren, dass ein Pferd in den nächtlichen
Stunden zu koliken beginnt. Wenn der Pferdebesitzer
zur Morgenfütterung nicht anwesend ist,
sondern erst abends in den Stall kommt, kann
es für das Kolikpferd bereits zu spät sein.
Auch Verletzungen aller Art wie z.B. Risswunden,
die innerhalb weniger Stunden genäht
werden müssen, kann man übersehen.
Legt sich ein Pferd fest, kann es nicht befreit
werden. Bei allen Erkrankungen und Verletzungen
ist die notwendige, schnelle Erste Hilfe
nicht gewährleistet. Pferde über einen längeren
Zeitraum sich selbst zu überlassen, ist fahrlässig.
Die Überwachung durch den Menschen
kann ein Futterautomat nicht übernehmen.
Freiere Zeiteinteilung
Ein Futterautomat kann dennoch gute Dienste
leisten, wenn die Überwachung der Pferde
gewährleistet ist. Man ist nicht exakt auf bestimmte
Fütterungszeiten angewiesen und kann
die eigene Zeiteinteilung freier gestalten.
Man darf Futterautomaten aber nicht missbräuchlich
einsetzen, indem man die Tiere sich
selbst überlässt und sich weniger darum kümmert.
Auch der persönliche Bezug zu den Tieren
kann darunter leiden, wenn man sich seltener
im Stall blicken lässt. Die Aufgabe, den Kontakt
zu den Pferden aufrecht zu erhalten, bleibt dem
Menschen nach wie vor, doch wenn die Überwachung
der Pferde pfl ichtbewusst durchgeführt
wird, kann ein Futterautomat durchaus
empfohlen werden.
Der Einsatz von Fütterungsautomaten ist sowohl
in Boxenställen als auch in Offenstallanlagen
möglich. Es gibt verschiedene Systeme,
die je nach Stallsituation sinnvoll oder auch unbrauchbar
sind. Die Wahl der jeweiligen Technik
ist stark von der Haltungsform, der Stallausstattung,
der Herdenzusammenstellung sowie der
Rassen und Typen der Pferde abhängig.
Für die Boxenhaltung gibt es etwa schrankgroße
Kästen, die mehrere Füllebenen aufweisen.
Die jeweils unterste Klappe öffnet sich zur eingestellten
Uhrzeit und das Heu fällt nach unten
in die Raufe oder auf den Boden. Mehrere Fütterungen
in Folge sind auf diese
Weise möglich.
Dasselbe System ist auch in Offenstallanlagen
einsetzbar, jedoch muss man so viele Futterautomaten
aufstellen wie Pferde in der Anlage leben.
Ein ranghöheres Pferd kann die Futterstelle
ansonsten verteidigen und nicht alle Tiere erhalten
ihre Heuportion.
Wenn sich die Pferde gut vertragen und auch
gemeinsam an einer Futterstelle fressen, genügen
gegebenenfalls auch weniger Futterkästen.
Man muss dabei allerdings die Futtermenge
für die Pferde bedenken, die in den Automaten
Platz fi nden muss, wenn mehrere Pferde mit einem
Automaten gefüttert werden sollen.
Das Transponder-System
Ein anderes System gewährt den Pferden zur
Futterstation über einen Chip Zutritt, der entweder
implantiert oder am Halfter, um den Hals
oder um die Fesselbeuge getragen wird. Die
Implantation von Transpondern ist umstritten,
da Fremdkörper in einem Lebewesen wandern
und/oder stören können. Die Anbringung an ein
Halfter oder einen Halsring ist ebenfalls nicht
ideal. Das Pferd könnte den Chip bei Rangeleien
verlieren oder er kann zerstört werden. Weiter
ist die Unfallgefahr nicht zu unterschätzen,
wenn Pferde ständig ein Halfter tragen müssen.
Computergesteuerte Fütterungsanlagen, die
von Pferden nur mit einem Transponder betreten
werden können, erlauben zwar eine exakte Futterabstimmung
individuell auf jedes Pferd, weil
die Futtermenge im Chip programmiert werden
kann, doch benötigen diese Anlagen eine sehr
große Fläche und sind überdimensional teuer.
Für große Pferdeherden in einer weitläufi gen
Offenstallanlage kann dieses System aber möglicherweise
das sinnvollste sein.
Prinzipiell gibt es zwei Systeme der
automatischen Fütterung:
Bei der ersten Methode wird den Pferden eine
bestimmte Futtermenge vorgelegt. Beim zweiten
System dürfen die Pferde eine voreingestellte
Zeit lang fressen. Beim Verfahren nach Zeit
erhalten die Tiere unterschiedliche Portionen,
weil manche Pferde hastiger fressen als andere.
Im Laufe der Zeit lernen die Vierbeiner außerdem,
hastiger zu fressen, weil sie wissen, dass
sie nur eine gewisse Fresszeit zur Verfügung
haben. Darum ist das System, eine bestimmte
Futtermenge vorzulegen, in der Regel zu bevorzugen.
Bei einer gemeinsamen Fütterung
hingegen erhalten die Pferde auch nicht die für
sie gedachte Menge, wenn ranghöhere sie verjagen
oder ein Herdenmitglied schneller frisst
als andere. Darum muss für jede Herdenzusammenstellung
und Stallsituation das geeignete
System individuell gefunden werden.
Futterautomat selbstgebaut
Handwerklich begabte Pferdebesitzer können
sich auch einen Futterautomaten selbst bauen.
Schon ein einfaches Modell für eine Einmalfütterung
kann eine zusätzliche Mahlzeit am Tag
(beispielsweise mittags) eine bessere Futterverteilung
gewährleisten.
Ein Holzkasten mit einem Türöffnungsmechanismus
versehen kann mit Hilfe eines Trafos und
einer Zeitschaltuhr die Mittags- (eventuell auch
die Morgen- oder Abend-) fütterung übernehmen.
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