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Serie: Therapien für Pferde (Teil 10):
Gegen jedes Zipperlein ist ein Kraut gewachsen
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Die Kräutermedizin ist eine der ältesten Heilmethoden überhaupt. Gerade beim Pferd als Pfl anzenfresser ist diese Therapieform recht erfolgreich und praktisch anzuwenden. Zudem bietet die Phytotherapie viele Varianten von Zubereitungen und Verabreichungsmöglichkeiten, dass sich die Pfl anzenheilkunde gerade im Pferdebereich als eine sehr erfolgreiche Zusatztherapie etabliert hat.

Es ist bekannt, dass schon in prähistorischer Zeit Pfl anzen als Heilmittel verwendet wurden. In den Ruinen von Nippur in Mesopotamien fand man Tontafeln der Sumerer, auf denen die Anwendung von Heilpfl anzen geritzt waren. Diese ersten schriftlichen Zeugnisse der Pfl anzenheilkunde stammen aus dem dritten Jahrtausend vor Christus. Bis in die heutige Zeit hat sich die Phytotherapie weiterentwickelt. Neben der Verabreichung von Kräutern in Reinform oder als Tee werden heutzutage auch sogenannte Phytopharmaka hergestellt. Diese Arzneimittel haben eine große therapeutische Wirkungsbreite und sind oft nebenwirkungsärmer als synthetisch hergestellte Arzneimittel.

Alle Arzneimittel, die wir aus der Medizin kennen, haben ihren Ursprung in der Pfl anzenmedizin. So ist das bekannte Mittel Aspirin ursprünglich aus der Weidenrinde entstanden. Weidenrinde – so auch das Aspirin – hilft vor allem gegen Kopf- und Gliederschmerzen.

Kräuter – ein Teil der ganzheitlichen Behandlung

Bei der Phytotherapie handelt es sich um die Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten und Befi ndlichkeitsstörungen durch Pfl anzen, Pfl anzenteile und deren Zubereitungen. Dabei kommen nicht nur ungiftige, sondern als giftig geltende Pfl anzen zur Anwendung. Schon Paracelsus jedoch erkannte, dass die entsprechende Menge einer Substanz erst zu einem Gift wird: „Die Dosis macht das Gift“ ist ein vielzitierter, treffender Ausspruch.

Hauptsächlich in den fernöstlichen traditionellen Medizinformen wird die Phytotherapie als Teil einer ganzheitlichen Krankheitsbehandlung angesehen. Die Kräutermedizin ist stark ursachen- und konstitutionsbezogen, das bedeutet, dass sie individuell auf den jeweiligen Patienten ausgerichtet sein muss. Der Behandler muss demnach viel Erfahrung mitbringen, um die richtigen Pfl anzen und deren Zubereitungen zu wählen.

Mit dem Aufkommen der Antibiotikatherapie verlor die Kräutermedizin in Europa an Bedeutung. Doch durch die enormen Nebenwirkungen von chemisch hergestellten Arzneimitteln erleben die naturheilkundlichen Therapien eine Wiederbelebung – sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin. Damit stehen heute zur Therapie neben den synthetischen Arzneimitteln drei Hauptpräparateformen aus Pfl anzen zur Verfügung: 1. die Rohdroge, 2. daraus hergestellte Mono- bzw. Poly-Extraktpräparate und 3. isolierte Reinstoffe. Alle drei Präparateformen fasst man mit dem Begriff Phytotherapeutika oder Phytopharmaka zusammen.

Die Phytotherapie gehört zu den Naturheilverfahren, ist aber keine „Alternative Medizin“, sondern ein Teil der heutigen naturwissenschaftlich orientierten Medizin. Zu den Hauptindikationen gehören Befi ndlichkeitsstörungen, für die alleinige Therapie leichte bis mittelschwere Erkrankungen und ganz besonders die weitgehend chemotherapieresistenten chronischen Erkrankungen wie Allergien, Arthrose und Ekzeme. Angewendet wird die Phytotherapie aber auch bei degenerativen Krankheitsbildern und geriatrische Erkrankungen, zur Prophylaxe von Infektions-, degenerativen und Stoffwechselerkrankungen sowie zur Nachbehandlung und in der Rekonvaleszenz. Die Wirkungen von Phytopharmaka sind auch experimentell und klinisch gut belegt.

Ganze Pfl anze besser als einzelne Wirkstoffteile


Die Heilpfl anzen werden hinsichtlich ihrer Wirkstoffe klassifi ziert. So enthalten die Pfl anzen Bitterstoffe, Gerbstoffe, Schleimstoffe, Saponine oder Scharfstoffe. Auch ätherische Öle haben als Inhaltsstoff ein großes Wirkungsspektrum. Viele weitere Wirkstoffe wie Alkaloide, Glykoside, Harze, Enzyme, Vitamine, Eiweiß und so weiter sind wichtige Bestandteile, die in ihrem exakt funktionierenden Zusammenspiel für die medizinische Wirkung einer Pfl anze ausschlaggebend sind. Die gesamte Pfl anze (Droge) wirkt immer besser als nur Teile davon.

Pfl anzen mit überwiegendem Bitterstoffanteil wirken refl ektorisch über den Zungengrund auf die Organe des Verdauungstraktes – den Magen, den Darm, die Leber und Bauchspeicheldrüse – regulierend und regen die Bildung und Ausschüttung der verdauungsfördernden Säfte an. Für die Aufschlüsselung der Nahrungsinformationen sind die in den Bitterstoffpfl anzen enthaltenen Enzyme unerlässlich. Deshalb wirken Bitterstoffe appetitanregend, verdauungsfördernd und -regulierend.

In einem Futter für Pfl anzenfresser wie das Pferd sollten deshalb viele bitterstoffhaltige Pfl anzen vertreten sein. Gezielt werden sie eingesetzt bei Appetitmangel, bei fütterungsbedingten Verdauungsstörungen, die oft mit Blähungen oder Verstopfung verbunden sind, aber auch bei Leber- oder Bauchspeicheldrüsen-Insuffi zienzen. Bitterstoffpfl anzen kann man Pferden am besten über Kräutermischungen oder Extrakte verabreichen.

Sie sollten vor der Kraftfuttergabe gefüttert werden. Besonders viele Bitterstoffe enthalten beispielsweise Wermut, Spitzwegerich, Löwenzahn, Hufl attich, Salbei, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Enzian und Kalmus.

Gerb- und Schleimstoffe für den Magen

Pfl anzen mit hohem Gerbstoffanteil hingegen ziehen die Hautstruktur zusammen, darum eignen sich diese für offene Wunden und Schürfverletzungen. Gerbstoffe können mit Eiweißkörpern der verletzten oder irritierten Haut komplexe chemische Verbindungen eingehen. Diese überziehen die Haut mit einer schützenden, undurchdringlichen Schicht, dass weitere schädliche Reize verhindert werden können.

Viele Pferde leiden unter Magenschleimhautentzündung und -geschwüren. Hier kann man gut mit Karotten und Löwenzahn sowie anderen Pfl anzen, die viele Gerbstoffe enthalten (z.B. viele Holzarten und Früchte), vorbeugen und reizlindernd einwirken (sollte man aber immer mit Schleimstoffen kombinieren – s.u.). Gerbstoffe werden äußerlich bei schlecht heilenden Wunden, bei Verbrennungen, Geschwüren, Schrunden, eitrig nekrotisierenden Prozessen und nässenden Ekzemen eingesetzt. Beim Pferd verwendet man Phytotherapeutika mit hohem Gerbstoffanteil außerdem auch bei Mauke und Huffäule.

Viele Pfl anzen beinhalten Schleimstoffe, die einen reizlindernden und teilweise kühlenden Effekt auf der Haut bilden. Somit lässt sich durch Salben, die schleimstoffhaltige Pfl anzen enthalten, irritierte Haut beruhigen. Deshalb eignen sich Präparate mit Pfl anzen, die einen hohen Schleimstoffanteil haben, auch sehr gut für Ekzempferde und bei anderen chronischen Hautirritationen.

Innerlich angewandt helfen Schleimstoffe bei Entzündungen und Sekretionsstörungen im Verdauungstrakt, bei Verstopfungen und bei Erkrankungen der oberen Atemwege (aufgrund auswurffördernde und entzündungslindernde Wirkung). Pfl anzen mit hohem Schleimstoffanteil sind beispielsweise: Eibisch, Malve, Isländisch Moos und Leinsamen. Vor allem der Leinsamen wird wegen seiner heilsamen Wirkung gerne dem Pferdefutter zugesetzt.

Den Lymphfl uss in Gang halten


Zinnkraut, Brennnessel, Goldrute, Hauhechel oder Bruchkraut sind Pfl anzen und Kräuter mit hohem Anteil von Saponinen. Bei Saponinen handelt es sich um glykosidische Pfl anzeninhaltsstoffe, die im chemischen Sinne zwar keine Seifen sind, sich aber wie solche verhalten, wenn sie mit Wasser in Berührung kommen. Saponine haben im Organismus eine entgiftende und ausleitende Wirkung, weil sie die Drüsentätigkeit und den Lymphfl uss anregen. Somit kann der Körper mehr Giftstoffe ausscheiden und der Organismus ist besser in der Lage, den Selbstheilungsmechanismus in Gang zu halten.

Saponinhaltige Kräuter und Pfl anzen werden bei Atemwegserkrankungen (auswurffördernde Mittel) und als Entgiftungsmittel (harntreibend, Anregung der Lymphe) eingesetzt.

Die Wirkung der Scharfstoffe beruht auf die Reaktion von bestimmten Sinneszellen in der Haut und Schleimhaut, wodurch es zu einer Temperaturerhöhung kommt. Chronische Prozesse können damit reaktiviert und somit in den akuten Zustand zurückgeführt werden, was letztendlich eine Heilung ermöglicht.

Scharfstoffe kommen in folgenden Pfl anzen vor: Ingwer, Knoblauch, Kalmus, Senf, Canthariden. Sie wirken aufl ösend, verteilend und fördern den Abtransport von Schlacke- und Giftstoffen, die chronische Krankheiten nach sich ziehen, durch die Aktivierung des Stoffwechselgeschehens im Gewebe. Angezeigt ist der Einsatz von Scharfstoffen bei Abszessen und Phlegmonen, chronischen Entzündungen und Schmerzen in Muskeln, Sehnen und Bändern sowie Nervenentzündungen und –schädigungen.

Vorsicht mit ätherischen Ölen


Eine große Anzahl von Pfl anzen beinhalten Ätherische Öle, die ihre Eigenschaften am besten in Verbindung mit erwärmten Wasser entfalten, obwohl sie nicht wasserlöslich sind. Als fettlösliche Substanz lassen sich ätherische Öle gut auf die Haut auftragen. Sie werden aber auch innerlich von den Schleimhäuten schnell absorbiert und entfalten auf diesem Weg ihren Effekt.

Ätherische Öle riechen sehr stark, weshalb sie hauptsächlich in der Aromatherapie eingesetzt werden. Mit Eukalyptusöl kann man Ammonikagerüche im Stall binden. Oft werden ätherische Öle aber in der Inhalationstherapie angewendet. Trotzdem sollte man mit ätherischen Ölen beim Pferd vorsichtig sein: Sie wirken sehr scharf auf die Schleimhäute und können darum auch Schaden anrichten. Wenn Pferde inhalieren, – insbesondere mit Ultraschallinhalatoren, deren Tröpfchen bis in die Bronchien und Alveolen eingeatmet werden – sollte man von ätherischen Ölen Abstand nehmen.

Man kann ätherische Öle aber gut als Abwehrmittel gegen Ektoparasiten verwenden: Hierfür kommen Eukalyptus, Rosmarin, Nelken und Citronell zum Einsatz.

Die Phytotherapie ist ein weites Gebiet, zumal es nicht nur viele verschiedene Pfl anzen gibt, die verwendet werden können, sondern auch deren Einsatzmöglichkeiten als Tinktur, Salbe, Tee, Sirup, Mazerat, Aufguss, Decoctum, Kataplasma, Extrakte oder Rohdroge schier unendlich zu sein scheinen. Eine unterstützende Therapie zu anderen Behandlungsmethoden ist immer sinnvoll und sollten deshalb auch zu schulmedizinischen Maßnahmen wenn möglich mit einbezogen werden.


Bild: wittelsbuerger.com-Forum

 

Oft gelingt es darum einem neutralen Therapeuten besser, die richtige Blütenmischung zu fi nden. Ausgebildete Therapeuten wie Tierheilpraktiker haben die Essenzen, um die Blütenmischungen herzustellen. Man kann sich die Bachblüten aber auch in der Apotheke mischen lassen.

Die Herstellung von Bachblüten

Versierte Naturheilkundler stellen ihre Bachblüten selbst her, indem sie die Blüten sammeln und eine Essenz zubereiten. Wer es selbst mal versuchen möchte, hat die Wahl zwischen der Sonnenmethode und der Kochmethode. Normalerweise werden die Blüten mit der Sonnenmethode verarbeitet. Die Kochmethode wird nur bei Blüten angewandt, die früh im Jahr blühen, wobei die Sonne noch nicht die Kraft erreicht hat, die benötigt wird, um die Essenz herzustellen. Bei der Sonnenmethode werden die Blüten im Stadium der Vollreife vor 9.00 Uhr vormittags gepfl ückt und in eine Glasschüssel gelegt, die mit natürlichem Quellwasser gefüllt ist. Man lässt die Schale drei bis vier Stunden in der prallen Sonne stehen, bis die Blüten welk geworden sind. Danach werden die welken Blüten entfernt und das imprägnierte Quellwasser konserviert. Mit dieser Essenz stellt man die entsprechenden Mischungen her.

Bei der Kochmethode stellt man die mit den Blüten versehene Wassertopf über eine Flamme und lässt das Wasser etwa eine halbe Stunde leicht sieden. Nach Abkühlung wird die Flüssigkeit mehrmals gefi ltert und ebenfalls drei bis vier Stunden in der prallen Sonne stehen gelassen. Anschließend wird auch diese Mischung konserviert.

Edward Bach sah den Ursprung einer Krankheit nicht aufgrund von äußeren Einwirkungen entstehen und nicht einmal im Körper selbst, sondern auf Seelenebene. Sein Leitsatz war, nicht die Krankheit, sondern den Menschen zu behandeln. Deshalb sah er in den Charakterschwächen des Menschen wie Stolz, Habgier, Grausamkeit, Egoismus und Unwissenheit die Grundkrankheit der Menschen. Die Umsetzung bestimmten Charaktereigenschaften und Stimmungen auf Tiere ist nicht immer einfach, zumal eine „Vermenschlichung“ der Tiere fehl am Platze ist und meist zu völlig falschen Einschätzungen führt.

Nach Durcharbeit der Bachblütenliste treffen oft drei bis sechs Blüten für ein Tier zu. Man sollte nicht mehr als sieben verschiedene Blüten mischen: Wenn mehrere als zutreffend erscheinen, sollte man versuchen, die Auswahl nochmals einzugrenzen und weiter zu differenzieren. Das erfordert einiges an Erfahrung. Die anschließende Aufl istung der Bachblüten dient als Übersicht. Für die Einschätzung der exakten Wirkungsrichtung ist ein tiefgreifenderes Studium notwendig. Hierfür gibt es aber gute Literatur auf dem Markt.

Quelle:
Renate Ettl für westernreiter (EWU)


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z.B. Petra Roth-Leckebusch für den Bereich Zucht.
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