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In die Zukunft investieren: Fohlenkauf – die Katze im Sack?
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von Renate Ettl, EWU-westernreiter

Die Preise für gut ausgebildete Pferde sind für den Durchschnittsbürger kaum zu bezahlen. Die meist fünfstelligen Eurosummen sind aufgrund der großen Investitionen an züchterischem Risiko, Reitausfall der Mutterstute, Decktaxe, Aufzucht des Jungpferdes und der Ausbildung mehr als gerechtfertigt, doch für viele Reiter sind solche Pferde trotzdem unerschwinglich.

Da gilt es, nach günstigeren Alternativen Ausschau zu halten. Es gibt Pferde in allen Preisklassen und die Tiere, die keiner mehr haben will, bekommt man bisweilen sogar zum Nulltarif. Doch dies ist dann sicherlich nicht das Quarter Horse mit der excellenten Abstammung und beachtlichen Turniererfolgen, sondern eher der abgetakelte Traber von der Rennbahn, der Haflinger mit regelmäßigen Reheschüben oder das Pony mit der dummen Angewohnheit, seinen Reiter nach fünf Minuten abzubuckeln. Traumpferde sehen anders aus! Keiner will sich mit solch ausrangierten Pferden freiwillig herumschlagen, kostet doch das Spitzenpferd im Unterhalt ebensoviel wie der gesundheitlich angeschlagene oder reiterlich verdorbene Klepper. Ganz zu schweigen davon, dass das reiterliche Vergnügen dabei meist auf der Strecke bleibt. Zwar gibt es immer wieder – und dies nicht mal wenige – Ausnahmen, wobei verschenkte Pferde in der Hand des richtigen Besitzers zu erfolgreichen Turnierpferden geworden sind, aber dennoch sind wir hier von einer Regel weit entfernt.


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Der pferdesuchende Reiter will nicht nur ein gesundes und hübsches Pferd, sondern auch ein möglichst erfolgreiches. Es sollte brav, brav und nochmals brav sein. Ein älteres Pferd kommt dabei schon deshalb nicht in Frage, weil man nie weiß, was es in seinem bisherigen Leben schon alles durchmachen musste. Irgendwann bekommt man die Quittung serviert, also lässt man lieber die Finger davon. Zudem hat man bei älteren Pferden allein aufgrund der verbleibenden Lebensdauer den Pferdefreund nur für eine wesentliche kürzere Zeit. Da gibt es also nur eins: Der Kauf eines Fohlens.

Unter´m Strich sind Fohlen teurer

Man weiß, dass das Fohlen noch nicht verdorben ist, die jungen Pferde sind viel billiger als ausgebildete erwachsene und zu guter Letzt sind die Kleinen ja so süß! Doch so romantisch und einfach wie sich das anhört, ist es beileibe nicht.

Der Fohlenkauf birgt große Risiken in sich, die man sich vor diesem Entschluss vor Augen führen sollte. Beginnen wir beim Preis: Ausgebildete, ältere Pferde kosten in der Anschaffung zunächst das Drei-, Vier- oder Fünffache von einem Absatzfohlen. Doch wenn man die Aufzucht und die Ausbildung mit einrechnet, sind Fohlen gar nicht mehr so billig. In der Regel muss man wesentlich mehr investieren, wenn man sich ein Fohlen anschafft, als wenn man sich gleich ein ausgebildetes, älteres Pferd kauft. Die Kosten für Aufzucht und Ausbildung variieren zwar gewaltig, weil die Voraussetzungen eines jeden Pferdebesitzers anders sind, dennoch wird man nie billiger fahren. Allein die Futter-, Tierarzt- und Schmiedkosten werden im Laufe der Jahre die Summen des ausgebildeten Pferdes locker erreichen.

Bis das Fohlen alt genug ist, um ausgebildet zu werden, trägt der Besitzer ein unkalkulierbares Risiko. Jederzeit kann sich das junge Pferd verletzen oder erkranken, dass immens hohe Tierarztkosten ins Haus stehen oder das Pferd sogar stirbt. Dieser Tatsache muss man sich immer bewusst sein, wenn man an die Anschaffung eines jungen Pferdes denkt. Natürlich kann auch ein älteres Pferd jederzeit einen Unfall erleiden, doch dieses Tier kann man zumindest sofort nach dem Kauf reitsportlich einsetzen, was das Ziel der meisten Pferdefreunde ist. Bei einem Fohlen steht hier erst einmal eine zweibis dreijährige Wartezeit an, bis man mit der Ausbildung unter dem Sattel beginnen kann. Doch man trägt nicht nur das gesundheitliche Risiko des kleinen Pferdes, sondern auch das sportliche. Selbst wenn die Abstammung ein entsprechendes Talent vermuten lässt, weiß man bei einem Fohlen nie, wie es sich als Reitpferd bewähren wird. Man kann den Erfolg bei einem Fohlen nicht kaufen, nicht einmal die Wahrscheinlichkeit dazu. Dafür spielen zu viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Bei einem ausgebildeten Pferd hingegen kennt man die Turniererfolge oder kann zumindest das Talent abschätzen. Selbst nur durchschnittlich begabte Reiter sind normalerweise in der Lage, ein gut ausgebildetes Pferd auf diesem Niveau zu halten, um eine erfolgreiche Turnierkarriere weiterzuführen. Um die Pferde aber bis zu diesem Niveau selbst auszubilden, fehlt oft das Können.

Ungewisse Zukunft

Natürlich gibt es die Möglichkeit, das junge Pferd – wenn es alt genug ist – zu einem professionellen Trainer in Ausbildung zu geben. Wenn man den Kostenfaktor aufrechnet, wird das Pferd meist viel teuerer, als wenn man sich gleich ein Ausgebildetes kauft. Dass man in dieser Situation die Ausbildung des Pferdes überwachen kann, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Sicherlich gibt es viele seriöse Trainer, die ordentlich mit einem Pferd arbeiten, doch es gibt auch nicht wenige schwarze Schafe, die dem Pferd entweder kaum Aufmerksamkeit schenken oder für den Geschmack des Pferdebesitzers zu rabiat mit dem Vierbeiner umgehen. Sicherlich ist dies kein Vorteil gegenüber dem Kauf eines ausgebildeten Pferdes. Da weiß man sofort, was man hat und muss nicht bangen, ob das junge Pferd auch wirklich das versprochene Talent hat.

Mit einem Fohlen kauft man tatsächlich die Katze im Sack, denn kein noch so interessanter Abstammungsnachweis kann einem die Garantie für ein bestimmtes Talent des Pferdes geben. Die Aufzuchts- und Ausbildungskosten sollten eigentlich jeden vernünftigen Pferdefreund vom Kauf eines Fohlens abschrecken. Dennoch bringen die Züchter ihre Absatzfohlen an den Mann und die Fohlenbesitzer sind dabei nur in den seltensten Fällen unglücklich.

Der Kauf eines Fohlens kann unter bestimmten Bedingungen nämlich auch eine goldrichtige Entscheidung sein. Wenn man die Geduld hat, die Jahre bis zur reiterlichen Verwendung des Pferdes abwarten zu können, ist schon ein Kriterium für die richtige Entscheidung erfüllt. Wenn der Fohlenbesitzer die Möglichkeit einer artgerechten Aufzucht hat, was bedeutet, dass das Fohlen im Herdenverband mit älteren und gleichaltrigen Pferden aufwachsen kann, hat man schon der zweiten Anforderung entsprochen. Ein weiterer Aspekt ist die notwendige Pferdeerfahrung, die dem Besitzer gestattet, dass er das Fohlen selbst erzieht und später auch einreitet. Wenn der Pferdebesitzer seine Erfüllung darin sieht, ein Jungpferd aufzuziehen und es auszubilden und dabei die Priorität nicht auf Turniererfolge legt, ist der Kauf eines Fohlens die richtige Entscheidung. Wenn sich später zusätzlich noch Turniererfolge einstellen, ist dies wohl die Krönung der Pferd-Mensch-Beziehung.

Doch diese Laufbahn ist nicht vorhersehbar, auch der beste Pferdeausbilder kann mit seinem jungen Pferd Pech haben. Krankheit, Verletzung oder fehlendes Talent können den Turniererfolg scheitern lassen. Deshalb darf dies nicht das Ziel des Fohlenbesitzers sein, vielmehr muss er die Erfüllung in der Aufzucht und der Ausbildung des Pferdes sehen.


Die Voraussetzungen zur Aufzucht müssen gegeben sein

Wenn man sich über seine Ziele klar geworden ist, und diese sich mit der Anschaffung eines Fohlens decken, und dabei die Voraussetzungen einer pferdegerechten Aufzucht gegeben sind, steht dem Fohlenkauf nichts mehr im Wege. Jetzt kann man sich überlegen, welcher Rasse man zugeneigt ist und ob man sich lieber eine Stute oder einen Hengst zulegen möchte. Diese Fragen beantworten sich zum einen nach den jeweiligen Vorlieben des Kaufi nteressenten, aber auch nach der Frage des geplanten späteren Verwendungszwecks. Schon jetzt sollte man sich auch Gedanken darüber machen, ob ein Hengst später kastriert werden soll oder ob man gar die Anschaffung eines späteren Deckhengstes erwägt. Dabei stellen sich wiederum die Fragen nach der Eignung und ob der Hengst die Erwartungen später erfüllen kann. Wenn nun all diese Fragen geklärt sind, kann man auf die Suche nach dem richtigen Fohlen gehen. Dabei ist es empfehlenswert, wenn man viele Fohlen begutachtet und miteinander vergleicht. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass schon einige Wochen Altersunterschied erhebliche Differenzen bewirken. Man sollte in der Beurteilung der Fohlen auch schon etwas Erfahrung haben. Dabei sollte man sein Augenmerk insbesondere auf die Gliedmaßenstellung richten. Angeborene Exterieurfehler verwachsen sich nicht, sie bleiben ein Leben lang bestehen. Nur Proportionen verändern sich, was vielen Pferdefreunden die Beurteilung der Fohlen erschwert. Etwas Übung ist also gefragt, die man nur dadurch bekommt, wenn man viele Fohlen begutachtet.

Trotz der besten Vorsätze kaufen viele Leute ihre Pferde nach dem Bauchgefühl. Dies ist nicht die schlechteste Entscheidung, denn trotz aller äußerlichen wichtigen Merkmale, muss auch die „Chemie“ zwischen Mensch und Pferd stimmen. An einem Fohlen, das einem unsympathisch ist, wird man nicht die Freude haben wie an einem Pferdekind, das einem vom ersten Augenblick an zugetan ist. Letztendlich muss man sich auch im Klaren darüber sein, dass es keine fehlerlosen Pferde gibt. Welches Fohlen wirklich das passende für einen ist, muss jeder letztendlich selbst entscheiden.

Die vertragliche Regelung

Hat man sich für ein Fohlen entschieden, beginnt die Frage der Kaufabwicklung. Fohlen werden mit einem Alter von etwa sechs Monaten von den Müttern abgesetzt, das ist dann auch der Zeitpunkt, an dem man das junge Pferd in den heimatlichen Stall nehmen kann. Den Kaufvertrag (es gibt auch spezielle Fohlenkaufverträge) kann man aber schon viel früher abschließen, doch dabei sind einige Dinge zu beachten. Man kann sich mit einem frühzeitig abgeschlossenen Kaufvertrag sozusagen das Fohlen für sich sichern. Der Gefahrenübergang auf den neuen Besitzer allerdings findet erst bei Übergabe des Fohlens, also wenn der neue Eigentümer das Pferd in seinen Stall holt, statt. Dies sollte auch im Fohlenkaufvertrag verankert sein.

Nach neuem Pferdekaufrecht haftet der Verkäufer für bis zu zwei Jahren für Mängel. Das ist für den Käufer zwar beruhigend, doch wenn man das kleine Pferdchen einmal zwei oder drei Monate in seinem Stall und entsprechend ins Herz geschlossen hat, wird man es auch wegen eines Mangels nicht mehr zurückgeben wollen. Darum sollte man möglichst im Vorfeld versuchen, viele Dinge zu klären. Dazu gehören mögliche Erbkrankheiten auszuschließen, den Züchter nach der Gesundheit, den Charaktereigenschaften und eventueller Besonderheiten der Elterntiere zu befragen. Zur eigenen Sicherheit schadet eine Begutachtung durch den Tierarzt keineswegs.

Wenn der Kaufvertrag abgeschlossen ist und dem Fohlen während der Zeit, in der es noch bei der Mutter ist, etwas passieren sollte, fällt die Verantwortung dem Züchter zu, weil der Gefahrenübergang in der Regel erst bei Übernahme des Fohlens ist. Zu diesem Zeitpunkt ist dann auch der Kaufpreis fällig, sofern das Fohlen in dem im Vertrag vereinbarten Zustand übergeben wird. Bei Verletzungen, die möglicherweise die spätere Verwendung (als Reitpferd) beeinträchtigen, müssen neue Regelungen getroffen werden. Der Käufer kann vom Kaufvertrag zurücktreten, es kann aber auch eine Preisminderung vereinbart werden. Alle Eventualitäten sollte man vorher mit dem Verkäufer durchsprechen und überprüfen, ob sie vertraglich festgehalten sind. Nur über einen vernünftigen Vertrag bleibt die Vorfreude auf das Fohlen ungetrübt, das man dann nach etwa einem halben Jahr bei der Mutterstute endgültig übernehmen und aufziehen kann.


Quelle: Renate Ettl für den EWU-westernreiter


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z.B. Petra Roth-Leckebusch für den Bereich Zucht.
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