Die
Preise für gut ausgebildete Pferde sind für den Durchschnittsbürger kaum zu bezahlen.
Die meist fünfstelligen Eurosummen sind aufgrund der großen Investitionen an züchterischem
Risiko, Reitausfall der Mutterstute, Decktaxe, Aufzucht des Jungpferdes und der
Ausbildung mehr als gerechtfertigt, doch für viele Reiter sind solche Pferde trotzdem
unerschwinglich.
Da gilt es, nach günstigeren Alternativen Ausschau zu
halten. Es gibt Pferde in allen Preisklassen und die Tiere, die keiner mehr haben
will, bekommt man bisweilen sogar zum Nulltarif. Doch dies ist dann sicherlich
nicht das Quarter Horse mit der excellenten Abstammung und beachtlichen Turniererfolgen,
sondern eher der abgetakelte Traber von der Rennbahn, der Haflinger mit regelmäßigen
Reheschüben oder das Pony mit der dummen Angewohnheit, seinen Reiter nach fünf
Minuten abzubuckeln. Traumpferde sehen anders aus! Keiner will sich mit solch
ausrangierten Pferden freiwillig herumschlagen, kostet doch das Spitzenpferd im
Unterhalt ebensoviel wie der gesundheitlich angeschlagene oder reiterlich verdorbene
Klepper. Ganz zu schweigen davon, dass das reiterliche Vergnügen dabei meist auf
der Strecke bleibt. Zwar gibt es immer wieder – und dies nicht mal wenige – Ausnahmen,
wobei verschenkte Pferde in der Hand des richtigen Besitzers zu erfolgreichen
Turnierpferden geworden sind, aber dennoch sind wir hier von einer Regel weit
entfernt.
Promotion
Der
pferdesuchende Reiter will nicht nur ein gesundes und hübsches Pferd, sondern
auch ein möglichst erfolgreiches. Es sollte brav, brav und nochmals brav sein.
Ein älteres Pferd kommt dabei schon deshalb nicht in Frage, weil man nie weiß,
was es in seinem bisherigen Leben schon alles durchmachen musste. Irgendwann bekommt
man die Quittung serviert, also lässt man lieber die Finger davon. Zudem hat man
bei älteren Pferden allein aufgrund der verbleibenden Lebensdauer den Pferdefreund
nur für eine wesentliche kürzere Zeit. Da gibt es also nur eins: Der Kauf eines
Fohlens.
Unter´m Strich sind Fohlen teurer
Man weiß,
dass das Fohlen noch nicht verdorben ist, die jungen Pferde sind viel billiger
als ausgebildete erwachsene und zu guter Letzt sind die Kleinen ja so süß! Doch
so romantisch und einfach wie sich das anhört, ist es beileibe nicht.
Der
Fohlenkauf birgt große Risiken in sich, die man sich vor diesem Entschluss vor
Augen führen sollte. Beginnen wir beim Preis: Ausgebildete, ältere Pferde kosten
in der Anschaffung zunächst das Drei-, Vier- oder Fünffache von einem Absatzfohlen.
Doch wenn man die Aufzucht und die Ausbildung mit einrechnet, sind Fohlen gar
nicht mehr so billig. In der Regel muss man wesentlich mehr investieren, wenn
man sich ein Fohlen anschafft, als wenn man sich gleich ein ausgebildetes, älteres
Pferd kauft. Die Kosten für Aufzucht und Ausbildung variieren zwar gewaltig, weil
die Voraussetzungen eines jeden Pferdebesitzers anders sind, dennoch wird man
nie billiger fahren. Allein die Futter-, Tierarzt- und Schmiedkosten werden im
Laufe der Jahre die Summen des ausgebildeten Pferdes locker erreichen.
Bis das Fohlen alt genug ist, um ausgebildet zu werden, trägt der Besitzer ein
unkalkulierbares Risiko. Jederzeit kann sich das junge Pferd verletzen oder erkranken,
dass immens hohe Tierarztkosten ins Haus stehen oder das Pferd sogar stirbt. Dieser
Tatsache muss man sich immer bewusst sein, wenn man an die Anschaffung eines jungen
Pferdes denkt. Natürlich kann auch ein älteres Pferd jederzeit einen Unfall erleiden,
doch dieses Tier kann man zumindest sofort nach dem Kauf reitsportlich einsetzen,
was das Ziel der meisten Pferdefreunde ist. Bei einem Fohlen steht hier erst einmal
eine zweibis dreijährige Wartezeit an, bis man mit der Ausbildung unter dem Sattel
beginnen kann. Doch man trägt nicht nur das gesundheitliche Risiko des kleinen
Pferdes, sondern auch das sportliche. Selbst wenn die Abstammung ein entsprechendes
Talent vermuten lässt, weiß man bei einem Fohlen nie, wie es sich als Reitpferd
bewähren wird. Man kann den Erfolg bei einem Fohlen nicht kaufen, nicht einmal
die Wahrscheinlichkeit dazu. Dafür spielen zu viele unterschiedliche Faktoren
eine Rolle. Bei einem ausgebildeten Pferd hingegen kennt man die Turniererfolge
oder kann zumindest das Talent abschätzen. Selbst nur durchschnittlich begabte
Reiter sind normalerweise in der Lage, ein gut ausgebildetes Pferd auf diesem
Niveau zu halten, um eine erfolgreiche Turnierkarriere weiterzuführen. Um die
Pferde aber bis zu diesem Niveau selbst auszubilden, fehlt oft das Können.
Ungewisse Zukunft
Natürlich gibt es die Möglichkeit, das junge
Pferd – wenn es alt genug ist – zu einem professionellen Trainer in Ausbildung
zu geben. Wenn man den Kostenfaktor aufrechnet, wird das Pferd meist viel teuerer,
als wenn man sich gleich ein Ausgebildetes kauft. Dass man in dieser Situation
die Ausbildung des Pferdes überwachen kann, ist ein weit verbreiteter Irrglaube.
Sicherlich gibt es viele seriöse Trainer, die ordentlich mit einem Pferd arbeiten,
doch es gibt auch nicht wenige schwarze Schafe, die dem Pferd entweder kaum Aufmerksamkeit
schenken oder für den Geschmack des Pferdebesitzers zu rabiat mit dem Vierbeiner
umgehen. Sicherlich ist dies kein Vorteil gegenüber dem Kauf eines ausgebildeten
Pferdes. Da weiß man sofort, was man hat und muss nicht bangen, ob das junge Pferd
auch wirklich das versprochene Talent hat.
Mit einem Fohlen kauft man
tatsächlich die Katze im Sack, denn kein noch so interessanter Abstammungsnachweis
kann einem die Garantie für ein bestimmtes Talent des Pferdes geben. Die Aufzuchts-
und Ausbildungskosten sollten eigentlich jeden vernünftigen Pferdefreund vom Kauf
eines Fohlens abschrecken. Dennoch bringen die Züchter ihre Absatzfohlen an den
Mann und die Fohlenbesitzer sind dabei nur in den seltensten Fällen unglücklich.
Der Kauf eines Fohlens kann unter bestimmten Bedingungen nämlich auch eine goldrichtige
Entscheidung sein. Wenn man die Geduld hat, die Jahre bis zur reiterlichen Verwendung
des Pferdes abwarten zu können, ist schon ein Kriterium für die richtige Entscheidung
erfüllt. Wenn der Fohlenbesitzer die Möglichkeit einer artgerechten Aufzucht hat,
was bedeutet, dass das Fohlen im Herdenverband mit älteren und gleichaltrigen
Pferden aufwachsen kann, hat man schon der zweiten Anforderung entsprochen. Ein
weiterer Aspekt ist die notwendige Pferdeerfahrung, die dem Besitzer gestattet,
dass er das Fohlen selbst erzieht und später auch einreitet. Wenn der Pferdebesitzer
seine Erfüllung darin sieht, ein Jungpferd aufzuziehen und es auszubilden und
dabei die Priorität nicht auf Turniererfolge legt, ist der Kauf eines Fohlens
die richtige Entscheidung. Wenn sich später zusätzlich noch Turniererfolge einstellen,
ist dies wohl die Krönung der Pferd-Mensch-Beziehung.
Doch diese Laufbahn
ist nicht vorhersehbar, auch der beste Pferdeausbilder kann mit seinem jungen
Pferd Pech haben. Krankheit, Verletzung oder fehlendes Talent können den Turniererfolg
scheitern lassen. Deshalb darf dies nicht das Ziel des Fohlenbesitzers sein, vielmehr
muss er die Erfüllung in der Aufzucht und der Ausbildung des Pferdes sehen.
Die Voraussetzungen zur Aufzucht müssen gegeben sein
Wenn man
sich über seine Ziele klar geworden ist, und diese sich mit der Anschaffung eines
Fohlens decken, und dabei die Voraussetzungen einer pferdegerechten Aufzucht gegeben
sind, steht dem Fohlenkauf nichts mehr im Wege. Jetzt kann man sich überlegen,
welcher Rasse man zugeneigt ist und ob man sich lieber eine Stute oder einen Hengst
zulegen möchte. Diese Fragen beantworten sich zum einen nach den jeweiligen Vorlieben
des Kaufi nteressenten, aber auch nach der Frage des geplanten späteren Verwendungszwecks.
Schon jetzt sollte man sich auch Gedanken darüber machen, ob ein Hengst später
kastriert werden soll oder ob man gar die Anschaffung eines späteren Deckhengstes
erwägt. Dabei stellen sich wiederum die Fragen nach der Eignung und ob der Hengst
die Erwartungen später erfüllen kann. Wenn nun all diese Fragen geklärt sind,
kann man auf die Suche nach dem richtigen Fohlen gehen. Dabei ist es empfehlenswert,
wenn man viele Fohlen begutachtet und miteinander vergleicht. Dabei darf man aber
nicht vergessen, dass schon einige Wochen Altersunterschied erhebliche Differenzen
bewirken. Man sollte in der Beurteilung der Fohlen auch schon etwas Erfahrung
haben. Dabei sollte man sein Augenmerk insbesondere auf die Gliedmaßenstellung
richten. Angeborene Exterieurfehler verwachsen sich nicht, sie bleiben ein Leben
lang bestehen. Nur Proportionen verändern sich, was vielen Pferdefreunden die
Beurteilung der Fohlen erschwert. Etwas Übung ist also gefragt, die man nur dadurch
bekommt, wenn man viele Fohlen begutachtet.
Trotz der besten Vorsätze
kaufen viele Leute ihre Pferde nach dem Bauchgefühl. Dies ist nicht die schlechteste
Entscheidung, denn trotz aller äußerlichen wichtigen Merkmale, muss auch die „Chemie“
zwischen Mensch und Pferd stimmen. An einem Fohlen, das einem unsympathisch ist,
wird man nicht die Freude haben wie an einem Pferdekind, das einem vom ersten
Augenblick an zugetan ist. Letztendlich muss man sich auch im Klaren darüber sein,
dass es keine fehlerlosen Pferde gibt. Welches Fohlen wirklich das passende für
einen ist, muss jeder letztendlich selbst entscheiden.
Die vertragliche Regelung
Hat man sich für ein Fohlen entschieden,
beginnt die Frage der Kaufabwicklung. Fohlen werden mit einem Alter von etwa sechs
Monaten von den Müttern abgesetzt, das ist dann auch der Zeitpunkt, an dem man
das junge Pferd in den heimatlichen Stall nehmen kann. Den Kaufvertrag (es gibt
auch spezielle Fohlenkaufverträge) kann man aber schon viel früher abschließen,
doch dabei sind einige Dinge zu beachten. Man kann sich mit einem frühzeitig abgeschlossenen
Kaufvertrag sozusagen das Fohlen für sich sichern. Der Gefahrenübergang auf den
neuen Besitzer allerdings findet erst bei Übergabe des Fohlens, also wenn der
neue Eigentümer das Pferd in seinen Stall holt, statt. Dies sollte auch im Fohlenkaufvertrag
verankert sein.
Nach neuem Pferdekaufrecht haftet der Verkäufer für bis
zu zwei Jahren für Mängel. Das ist für den Käufer zwar beruhigend, doch wenn man
das kleine Pferdchen einmal zwei oder drei Monate in seinem Stall und entsprechend
ins Herz geschlossen hat, wird man es auch wegen eines Mangels nicht mehr zurückgeben
wollen. Darum sollte man möglichst im Vorfeld versuchen, viele Dinge zu klären.
Dazu gehören mögliche Erbkrankheiten auszuschließen, den Züchter nach der Gesundheit,
den Charaktereigenschaften und eventueller Besonderheiten der Elterntiere zu befragen.
Zur eigenen Sicherheit schadet eine Begutachtung durch den Tierarzt keineswegs.
Wenn der Kaufvertrag abgeschlossen ist und dem Fohlen während der Zeit, in der
es noch bei der Mutter ist, etwas passieren sollte, fällt die Verantwortung dem
Züchter zu, weil der Gefahrenübergang in der Regel erst bei Übernahme des Fohlens
ist. Zu diesem Zeitpunkt ist dann auch der Kaufpreis fällig, sofern das Fohlen
in dem im Vertrag vereinbarten Zustand übergeben wird. Bei Verletzungen, die möglicherweise
die spätere Verwendung (als Reitpferd) beeinträchtigen, müssen neue Regelungen
getroffen werden. Der Käufer kann vom Kaufvertrag zurücktreten, es kann aber auch
eine Preisminderung vereinbart werden. Alle Eventualitäten sollte man vorher mit
dem Verkäufer durchsprechen und überprüfen, ob sie vertraglich festgehalten sind.
Nur über einen vernünftigen Vertrag bleibt die Vorfreude auf das Fohlen ungetrübt,
das man dann nach etwa einem halben Jahr bei der Mutterstute endgültig übernehmen
und aufziehen kann.