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Lesezeit: „MYTHOS COWBOY“ - ein Buch, in das man sich verlieren möchte
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Eine Reminiszenz an das einstige und heutige Leben der Cowboys, für die das Pferd mehr als ein Partner war



Mit freundlicher Genehmigung von www.pferdesportzeitung.de, Raimund Hesse

71 Lebensjahre sind ein respektables Alter, wo man eigentlich den so genannten Lebensabend als einen weiteren Abschnitt eines Lebens betrachtet. In der Regel ist mit 65 Jahren das Rentenalter erreicht, wo man die Arbeit schlicht und einfach hinter sich lässt, was auch auf die Mehrheit unserer Zeitgenossen zutrifft - das eigentliche Klischee vom Rentnerdasein. Trifft millionenfach zu, nur auf Eberhard „Hank“ Klotz nicht, dessen Geschichte und heutiges Lebenswerk nach dem „normalen Arbeitsleben“ aus dem Rahmen fällt. Eine ganz außergewöhnliche Geschichte, die sich nach der Erfüllung eines lang gehegten Traums anhört.



„Traum? Nein … das klingt so nach lebenslangem Daraufhinarbeiten, das mit Sicherheit nicht. Es war einfach der seltene, glückliche Zufall, dass zwei, drei Leute sich finden, die den gleichen Spirit zu einem Thema in sich fühlen, jeder für sich einen hohen Perfektionsanspruch hat, und die eine Idee in ein gemeinsames, sehr persönlich geprägtes Projekt einbringen.“, erklärt Hank die Philosophie eines hoch literarischen Werkes, das man in gebräuchlichen Umgangssprache als Buch umschreibt. Sein Buch hat Eberhard „Hank“ Klotz nicht umsonst „MYTHOS COWBOY“ genannt. Es ist auch kein eigentlich Buch über Cowboys, jene amerikanischen Landarbeiter und späteren Helden in zahlreichen Westernfilmen.

„MYTHOS COWBOY“ ist mehr als eine Reminiszenz an eine Kultur zu verstehen, die zwangsläufig mit der Faszination Pferd in den ehemaligen Zeiten des so genannten „Wilden Westen“ im Einklang steht. „MYTHOS COWBOY“ lebt heute auf vielen Ranches der Vereinigten Staaten von Amerika auf den damaligen Grundstrukturen des Cowboy-Alltags weiter, obwohl sich die Zeiten total geändert haben. Was ist „MYTHOS COWBOY“ eigentlich? Ein Pferdebuch der üblichen Art? Eine Reisebeschreibung durch das ehemalige Cowboyland des nordamerikanischen Kontinents? Ein Buchprojekt mit enormer Auflage, von dessen Tantiemen man gut und gerne leben kann? Oder eine Dokumentation, wie sie in amerikanischen Buchhandlungen zu finden ist, in deutschen Buchläden eher ein Schattendasein fristet?

„MYTHOS COWBOY“ beinhaltet ein sorgfältig zusammengestelltes Spektrum. Ein Buch mit vielen kleinen und charmanten Geschichten, für die man sich bemühen muss, um sie aufzuschreiben. Als die ersten Karl-May-Romane populär wurden, träumten Jugendliche und Erwachsene von den Abenteuern, die sie aus den Erzählungen des Karl Friedrich May (1842-1912) kannten, nur hatte dieser eine blühende Phantasie, die er in seinen Büchern verewigte. „MYTHOS COWBOY“ und Hank Klotz mit Karl May-Büchern gleichzusetzen passt über nicht. Karl May war und ist schriftstellerische Freiheit, „MYTHOS COWBOY“ ist Erlebtes von Hank Klotz.

COFFEE TABLE BOOK

„MYTHOS COWBOY“ steht für 230 Seiten mit eindrucksvollen Fotos in einem Format von 30 x 30 cm, gedruckt mit einer Papiergramatur von 150 g/qm und einer durchaus künstlerischen Gestaltung, dazu eine fünfjährige Produktionszeit - von der Uridee bis zum verkaufsfertigen Buch, das übrigens als so genanntes COFFEE TABLE BOOK konzipiert wurde. Als Coffee Table Books werden Bücher und Bildbände bezeichnet, die großformatig und mit aufwendigen Fotografien, jedoch mit verhältnismäßig wenig Text ausgestattet sind.

Zu „MYTHOS COWBOY“ gehören neben den Fotos von Klaus-Jürgen Guni zahlreiche Geschichten über Land und Leute, über Berufe wie die des Sattlers, der Meistermacher von Sporen und Gebissen (für Pferde), über das Leben der Cowboys, die seit dem 19. Jahrhundert auf den Ranches zwischen Montana und Texas ein wichtiger Bestandteil waren, und die heute wahrscheinlich zu einer Minderheit gehören, weil die Rancharbeit anders geworden ist. Eine ungefähre Vorstellung bekam man seinerzeit durch die weltberühmte Zigarettenwerbung mit dem „Marlboro-Man“, der meistens in der Welt der Cowboys unterwegs war. Allerdings fußte diese Marketingaktion auf die nostalgische, romantisierte Version der Cowboys, die ein wenig Wahrheit beinhaltete. Rau und zeitintensiv war und ist heute die Arbeit der Cowboys noch immer, besonders auf den großen Rinderweiden, ohne den Partner Pferd geht dort nichts. Und da es in diesen Weidegegenden auch kein passendes Hotel für die Übernachtung parat steht, wurde und wird eben am Lagerfeuer genächtigt.

„MYTHOS COWBOY“ ist von diesen Tabakindustrie-Klischees meilenweit entfernt, es ist pure Authentizität, die auf vielen Seiten des fast 2,1 kg schweren Werkes zu finden ist. Wer etwas über die Legende „The West“ erfahren will, wird auf der Seite 26 fündig: „… The West ist immer auch Synonym für cattle ranching … der Cowboy nach heutigem Verständnis wurde indes erst um 1867 geboren …“. Zwei Seiten wird der „Western Stock Saddle“ und eine Seite weiter der „Spirit of the West“ erwähnt - alles zum Stichwort „Cowboy Culture“ gehörend.

Besonders sind die Seiten 108 bis 119 zu erwähnen: „Vaquero - der Aristokrat“. Erzählt wird das damalige Wirken der spanischen Missionare, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts wohlmöglich den Grundstein für die Rinderzucht legten, in den Chroniken des Franziskanerordens nachzulesen, seinerzeit wurde auf den Missionen der spanische Reitstil gepflegt und den Mexikanern und missionierten Indianern vermittelt, daraus entstand der spätere kalifornische Reitstil, der die heute Westernreiterei stark beeinflusst hat.

Und immer wieder großflächige und beeindruckende Fotos zwischen den einzelnen „MYTHOS COWBOY“-Elementen. „MYTHOS COWBOY“ ist kein Buch über den Westernreitsport, der seit über 30 Jahren zum deutschen Reit- und Pferdesport gehört, es ist ein mehr ein Kunstwerk mit außergewöhnlichen Ansprüchen an die Qualität. Qualität steht hier für das für deutsche Buchverhältnisse ungewöhnliche Format von 30 x 30 cm, vom Inhaltlichen, das für Beobachtungen, Auswertungen von Quellen und auf persönliche Erlebnisse des Autors stehen.

Eberhard „Hank“ Klotz hat mit „MYTHOS COWBOY“ ein Buch geschrieben, mitgestaltet und produziert, das nicht alltäglich ist. „MYTHOS COWBOY“ ist auch nicht „eben mal“ zu lesen, man muss es einige Male in die Hand nehmen, am besten in einem stressfreien Moment, das Drumherum des Alltags einfach abschalten und in eine Welt eintauchen, die man früher aus einschlägigen Filmen erfuhr. „MYTHOS COWBOY“ hat mit den Hollywood-Schinken aber gar nichts gemein, im Gegenteil. Manche der Produzenten und Regisseure im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sollten „MYTHOS COWBOY“ in ihren Buchbestand an vorderster Stelle platzieren, eigentlich als Pflichtlektüre für einen der angedachten Westernfilme.

Der ehemalige Student der Betriebs- und Volkswirtschaft, mit Positionen im Führungsmanagement verschiedener Unternehmen, sagte mit 60 Jahren dem Beruf mehr oder weniger „das war’s“. Zum Glück kam für Eberhard „Hank“ Klotz das normale Renterdasein nicht infrage, er gab noch einmal richtig Gas und widmete sich einer Leidenschaft, die er sich seit dem 25. Lebensjahr verschrieben hat und die man weit gegliedert als das Leben mit Pferden nennt. Aus der Sicht von Pferdeleuten ein „normaler Vorgang“. Und ob jener SPIRIT ihn im Sinne einer Seelenwanderung erreicht hat … wer weiß es schon. Nach mehrmaligem Lesen von „MYTHOS COWBOY“ könnte so ein Gedanke nahe liegen.

Und was mir besonders gut gefallen hat, steht auf den Seiten 22 und 24:

Hank’s Partner - Cody:

„Wer könnte ihn vergessen, wenn er seinen Kopf seitlich neigte, sobald die Blicke sich trafen, womit er unmißverständlich aufforderte, an seiner pulsierenden Energie, seiner unmittelbaren und ansteckenden Daseinsfreude teilzunehmen, welche er mit jeder einzelnen Faser seiner Gegenwart ausstrahlte.
Nie im Leben wäre es ihm in den Sinn gekommen, etwas anderes zu wollen, als das, was er, wo er und mit wem er war. Glücklich sich schätzen kann, wer einen solchen Weggefährten und Lehrmeister des Muts, Vertrauens und der Freude der Hingabe an jede Sekunde seines Lebens ein Stück weit begleiten durfte.“

Dieser Nachruf wurde dem am 2. Januar 2011 verstorbenen Hund CODY (9) gewidmet.

Mir fällt spontan kein Buch ein, wo bereits auf den ersten Seiten ein solcher Nachruf, eine solch liebevolles Bekenntnis - für einen Hund - stand.

Informationen über Eberhard „HANK“ Klotz im Internet:
www.longhornranchpfalz.de

Informationen über den Fotografen Kalus-Jürgen Guni im Internet:
www.kjguni.de



Mit freundlicher Genehmigung von www.pferdesportzeitung.de, Raimund Hesse






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